Titelaufnahme

Titel
Dekompensierter konvergenter Mikrostrabismus - Ein Fallbericht
Weitere Titel
Decompensated convergent Microstrabismus - A case report
VerfasserSeeber, Katharina
GutachterHirmann, Elisabeth ; Grainer, Ida
Erschienen2012
Datum der AbgabeNovember 2012
SpracheDeutsch
DokumenttypBachelorarbeit
Schlagwörter (DE)Konvergenter Mikrostrabismus / Dekompensation / Asthenopie / Hyperopie / Amblyopie
Schlagwörter (EN)convergent microstrabismus / decompensation / asthenopia / hypermetropia / amblyopia
Zugriffsbeschränkung
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Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Einleitung

Die vorliegende Bachelorarbeit befasst sich mit dem Krankheitsbild des Mikrostrabismus, einem kleinen Schielwinkel unter 5°, welcher in kosmetischer Hinsicht völlig unauffällig scheint (vgl. Lang 1982, S.1). Gegenstand dieser Arbeit ist die Aufarbeitung dieses klinischen Bildes anhand eines Fallbeispiels mit besonderem Bezug auf die Dekompensation in einen größeren Schielwinkel. Die 38-jährige Patientin des Fallberichtes, bei welcher ein dekompensierter konvergenter Mikrostrabismus diagnostiziert wurde, der primär mit einer Zunahme des vorerst unauffälligen Schielwinkels einhergeht, wurde zahlreichen diagnostischen sowie therapeutischen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden unterzogen. Anschließend an deren Beschreibung wird der Krankheitsverlauf der Patientin aufgezeigt. Im Anschluss daran erfolgt eine Diskussion des Krankheitsbildes, in welcher unter anderem mögliche Differentialdiagnosen sowie kritische Gesichtspunkte angesprochen werden.

Methoden

Im Rahmen der Befunderhebung fanden orthoptische sowie ophthalmologische Untersuchungsmethoden Anwendung. Nach einer anamnestischen Befragung der Patientin wurde eine Überprüfung der Sehschärfe sowie der Augenstellung durchgeführt, welcher eine Schielwinkelmessung folgte. Außerdem fand eine Untersuchung der Konvergenz, der Motilität sowie der Akkommodation statt und das Binokular- und Stereosehen wurde überprüft. Überdies wurde die Fixation ermittelt, das Farbsehen kontrolliert und der Schirmer-Test ausgeführt. Zur weiteren Diagnostik wurde vom Synoptophor Gebrauch gemacht und der Scheitelbrechwertmesser wurde zum Einsatz gebracht. Abschließend erfolgte eine subjektive und objektive Refraktionsbestimmung mittels Refraktometer und Skiaskopie.

Zur Behandlung wurde eine Übungsserie mit 25 Terminen gestartet. Anhand von Übungen zur physiologischen Diplopie, Bagolini-Laufen, Worth-Laufen, Prismenfusion und mithilfe der Geräte Synoptophor sowie Lesetrenner fand eine orthoptische Schulung des Binokularsehens dem Krankheitsbild entsprechend statt.

Ergebnisse

Die Patientin R. G. wurde aufgrund von Problemen bei der Naharbeit und asthenopen Beschwerden erstmals im Dezember 2006 in der Akademie für den orthoptischen Dienst im Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien vorgestellt. Die Erstuntersuchung ergab eine Amblyopie am rechten Auge sowie eine mittlere manifeste Konvergenz rechts, weswegen keine positive Angabe der Binokular- sowie Stereotests möglich war. Zudem wurde eine exzentrische Fixation festgestellt. Einer Differenz zwischen den bestehenden Brillenwerten und den ermittelten Skiaskopiewerten zufolge wurde eine Verstärkung der hyperopen Korrektur als Therapiemaßnahme verordnet. Außerdem sollte eine Arbeitsbrille zur Kompensation des größeren Nahwinkels beitragen. Begleitende orthoptische Übungen bis Juni 2007 hatten eine Reduktion des subjektiven Schielwinkels sowie eine gesteigerte binokulare Zusammenarbeit zur Folge, sodass der Dekompensation entgegengewirkt werden konnte.

Diskussion

Der kleinwinkelige Mikrostrabismus mit harmonischer anomaler Netzhautkorrespondenz stellt eine Schielform mit rein sensorischer Beeinträchtigung ohne motorische Komponente dar (vgl. Lang 1984, S.163). Dieses Krankheitsbild zeichnet sich durch das vorwiegend konvergente und unilaterale sowie familiär gehäufte Auftreten aus. Es geht oft mit einer Amblyopie des betroffenen Auges einher und ist häufig mit einer Refraktionsanomalie vergesellschaftet (vgl. De Decker 2004, S.224; Lang 2003, S.151ff).

Die Dekompensation in einen größeren Schielwinkel erfolgt meist im Zusammenhang mit einer Hyperopie, einer Amblyopie, einer konvergenten Ruhelage sowie einem Konvergenzexzess (vgl. Lang 2003, S.152). In therapeutischer Hinsicht ist ein Beheben der eruierten auslösenden Faktoren erfolgsversprechend (vgl. Lang 1982, S.84). Im Kindesalter ist eine Behandlung der Amblyopie in Form einer Okklusionstherapie in Gegenwart der Diagnose Mikrostrabismus unabdingbar (vgl. Lang 2003, S.156). Mögliche

Zusammenfassung (Englisch)

Introduction

The purpose of this thesis is the presentation of the clinical picture of microtropia, a small-angle strabismus with a deviation of less than 5°, which is cosmetically totally inconspicuous. The aim of this study is the discussion of the disease on the basis of a case report, which decompensated into a larger angle. The 38-year-old female patient, affected by a decompensated microtropia, experienced an increasing deviation. She was subjected to several diagnostic and therapeutic examinations and treatments. Their description is followed by an illustration of the course of the disease. The final discussion offers possible differential diagnoses as well as critical considerations.

Methods

Several orthoptic and ophthalmological examinations were applied in the course of the diagnostic investigation. After an interview regarding the medical history of the patient, her visual acuity was checked and the angle of deviation was measured. In addition, convergence, motility and accommodation as well as binocular functions and stereopsis were tested. Furthermore, an examination of the fixation and colour vision was performed. The synoptophor, lensometer and Schirmer-Test were used for further investigations before retinoscopy and refractometry concluded the examination. For treatment orthoptic exercises, based on binocular training, appropriate for this disease were carried out.

Results

The patient R. G. was presented at the Academy for Orthoptic Service in the General Hospital of Vienna in December 2006 due to problems with nearwork associated with asthenopic complaints. The first examination revealed an amblyopia and a manifest convergent deviation of the right eye. Binocular functions as well as stereoacuity were found to be reduced and an eccentric fixation was diagnosed. According to a discrepancy between spectacle correction and the results of retinoscopy for treatment a new hyperopic glass was prescribed. Moreover, near-vision spectacles should contribute to compensate the larger angle in near-vision. Orthoptic exercises involving binocular training induced a reduction of the subjective deviation and helped to counteract the decompensation.

Discussion

Small-angle microtropia with anomalous retinal correspondence is a form of strabismus which is based on a sensory disorder without any motor component. This disease is characterized by a convergent and unilateral manifestation and hereditary occurrence. It is generally accompanied by amblyopia and a refractive error. The decompensation into a larger angle is mainly caused by a hypermetropia, an amblyopia, a convergent position of rest or a convergence excess. Remedying of these precipitating factors is considered to be a successful therapeutic treatment and in infancy an occlusion therapy is indispensable. In the view of possible differential diagnoses an accurate clinical work up is required.