Titelaufnahme

Titel
Erinnerungsarbeit zwischen Vergangenheitsbewältigung und Zukunftshoffnung: Soll und kann Soziale Arbeit helfen, in der Gegenwart zu leben?
Weitere Titel
Memory Work between Coping with the Past and Hope for the Future: Should and Could Social Work Help Living in the Present?
VerfasserJelinek, Esther
Betreuer / BetreuerinVorlaufer, Johannes
Erschienen2013
Datum der AbgabeApril 2013
SpracheDeutsch
DokumenttypBachelorarbeit
Schlagwörter (DE)Erinnerungsarbeit / Tschetschenische Flüchtlinge / AsylwerberInnen / Martin Heidegger / Sein und Zeit / Trauma / Therapie / Vergangengenheit / Gegenwart / Zukunft / Soziale Arbeit / Gedächtnis / Gedächtnisprozesse
Schlagwörter (EN)Memory Work / chechen refugees / Asylum seekers / Martin Heidegger / Trauma-Therapy / Past / Present / Future / Social work / memory-process
Zugriffsbeschränkung
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Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Vorliegende Arbeit fokussiert auf die Relevanz von Erinnerungsarbeit und ihre mögliche Schnittstelle mit der Sozialen Arbeit. Als Beispiel wird die Situation der tschetschenischen Flüchtlinge in Österreich herangezogen. Die tschetschenischen AsylwerberInnen sind aus einem krisengeschüttelten Land geflohen, sie haben brutale Kriege miterlebt, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und wirtschaftlichen Zusammenbruch. Die meisten von ihnen sind traumatisiert und nicht in der Lage, mit ihren schmerzhaften Erinnerungen umzugehen. Wenn sie in Österreich um Schutz ansuchen, müssen sie ein Asylverfahren durchlaufen um das Recht auf Asyl zu erhalten. Das Verfahren fordert klare und wahrheitsgemäße Antworten zu Identität, Heimatland, Schicksal des/der AntragstellersIn und ihrer Angehörigen, Zeitabläufen und Fluchtroute. Es wird von ihnen eine reibungsfreie Anpassung an die Situation, in der sie sich bis zur Verkündung ihres Status befinden, erwartet. Meine These ist, dass Flüchtlinge – wie alle Menschen – sehr persönliche und individuelle Konzepte von Zeit und Erinnerung haben. Für viele überlagern sich Vorvergangenheit, Vergangenheit und Gegenwart. Traumata hindern sie an einer „richtigen“, „wahren“ Erinnerung. Ich gehe davon aus, dass die Bürokratie Parameter für die Entscheidung braucht, wer ein Recht auf Asyl erhalten soll und wer nicht. Die Frage ist, ob diese Parameter allgemeingültig anwendbar sind. Soziale Arbeit kann sich hier einschalten um die psychisch desorientierten Flüchtlinge zu unterstützen. Reden, zuhören, erklären und unterstützen sind wichtige Hilfsmittel, um AsylwerberInnen „als ganze“ zu verstehen und zu versuchen, ihre Erinnerungen zu aktivieren. Die Kenntnis von der Komplexität der Flüchtlingserinnerung würde einen ganzheitlichen Zugang zu den Geflüchteten befördern, was wiederum für alle Involvierten hilfreich wäre, für die Flüchtlinge, für die SozialarbeiterInnen wie auch für die RepräsentantInnen der Bürokratie. Insofern könnte Erinnerungsarbeit als ein Teil des vielfältigen Aufgabengebiets der Sozialen Arbeit Flüchtlingen helfen, ihre Vergangenheit zu bewältigen und Perspektiven für ihre Zukunft zu schaffen.

Zusammenfassung (Englisch)

The present work focuses on exploring links between memory work and its possible interface with social work. The situation of Chechen refugees in Austria serves as a showcase. Having fled from a highly conflicted region, witnessed brutal wars, crimes against humanity and economic disaster Chechen refugees have been to a greater part traumatized and are not able to deal with their painful memories. Seeking shelter in Austria they have to pass a procedure for granting the right of asylum. This procedure demands clear and true answers to questions about their identity, homeland, the fate they and their families faced, timeframes and their flight route. They are expected to adapt smoothly to the situation they are confronted with while waiting for the verdict of their status. My thesis is that refugees have - as is true for all other individuals - very personal approaches to the concept of time and memory. For many of them a farer past, the past and the presence interfere with each other. Their traumata prevent them from memorizing „correctly“. I assume that bureaucracy needs parameters to decide to whom to grant or not to grant asylum. The question is if these parameters are really generally applicable. Social work can step in here by supporting the psychologically confused refugees. Means of help can be talking, listening, explaining and understanding, looking at refugees as “a whole”, thus trying to activate memories. Knowledge of the complexity of individuals’ memories would foster a holistic approach to them, and that would be instrumental for all sides, for the refugees, for the social workers as well as for the bureaucrats. Memory work as one part of the multiple tasks of social work could thus help refugees to cope with their past and to create perspectives for their future.