Titelaufnahme

Titel
Sexualität - ein Thema in der Physiotherapie? Therapeutische Behandlungsansätze für ein erfülltes Sexualleben von Frauen mit Multipler Sklerose
Weitere Titel
Sexuality-a subject in Physical therapy? Therapeutic treatment approach for a satisfied sexual life of women suffering multiple sclerosis
VerfasserEssenther, Stefanie
Betreuer / BetreuerinSadovnik, Katarina
Erschienen2013
Datum der AbgabeMai 2013
SpracheDeutsch
DokumenttypBachelorarbeit
Zugriffsbeschränkung
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Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

„Multiple Sklerose (MS) ist eine der häufigsten Entzündungserkrankungen des zentralen Nervensystems.“ Als chronisch verlaufende, neurologische Erkrankung, wird sie meist zwischen dem 20. und 45. Lebensjahr diagnostiziert, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Bei dieser entzündlichen Erkrankung der Myelinscheiden kommt es zu Symptomen wie z.B. Visusstörungen, Ataxien, Krämpfe, Miktionsstörungen, Müdigkeit, Sensibilitätsstörungen und vegetativen Problematiken. Infolge dieser Veränderungen kann es auch zu speziellen Defiziten der Sexualfunktionen kommen. Die aktive und passive Beckenbeweglichkeit kann eingeschränkt sein, es kann zu Tonuserhöhung und gleichzeitige Schwäche der Becken(-boden)muskulatur kommen und die Verminderung von Oberflächen- und Tiefensensibilität kann gestört sein. Störungen der Blasenfunktion und des Darmes können ebenfalls Folgen dieser neurologischen Erkrankung sein.

Häufige Folgen sind unter anderem Immobilisation, Inkontinenz, Hypo- und Parästhesien, Hypalgesien, Krämpfe, Verspannungszustände und Wahrnehmungsstörungen. Beeinträchtigungen dieser Art können nicht nur die Aktivitäten des täglichen Lebens beinträchtigen, sondern auch im speziellen das Sexualleben im Sinne einer Reduktion auf die sexuelle Aktivität stören, was sich auch negativ auf die Partizipation in Bezug auf das Erleben einer privaten bzw. intimen Beziehung zum Partner oder der Partnerin auswirken kann.

Die Wiederherstellung oder überhaupt die Ermöglichung des Sexuallebens und der Paarbeziehung stellen zwar kein erklärtes Kerngebiet in der Physiotherapie dar, jedoch werden indirekt durch Verfolgen anderer, primär physiotherapeutisch relevanter Zielsetzungen, wie z.B.Muskelkräftigung, Wahrnehmung, Entspannungstechniken etc. auch die Funktionen und Aktivitäten für ein funktionierendes Sexualleben miterarbeitet. Insofern liegt der Schluss nahe, dass auf die genannten Begleiterscheinungen der MS, deren Behandlung ein Randgebiet der Neurologie darstellen, durch physiotherapeutische Therapiemethoden gezielt Einfluss genommen werden kann. der heutigen Zeit sind Sexualität und die damit verbunden krankheitsbedingten Probleme in vielen Bereichen noch immer Tabuthemen. Im medizinisch-therapeutischen Kontext sollte diese spezielle Problematik allerdings keinesfalls vernachlässigt werden, da Sexualität im menschlichen Leben altersunabhängig eine bedeutende Rolle spielt und durch den Einfluss auf potentielle oder bestehende Paarbeziehungen einen wichtigen Aspekt in der sozialen Partizipation darstellt.

Gynäkologen und Gynäkologinnen oder andere Ärzte und Ärztinnen klären betroffene Frauen häufig hinsichtlich der zu erwartenden Störungen im Bereich der Sexualfunktionen auf oder geben Information zu Hilfsmitteln. Es fehlt allerdings zumeist das Angebot einer therapeutischen Beratung hinsichtlich Übungen und Maßnahmen bzw. einer gezielten, auch physiotherapeutischen Therapie, um die der Sexualstörung zugrundeliegenden Defizite auf den Ebenen der Struktur, Funktion und Aktivität verbessern zu können. Gezielte Tonusreduktion und Aktivierung der Muskulatur von Becken, Beckenboden und der unteren Extremitäten können die nötige Beweglichkeit während der sexuellen Aktivität bzw. das Einnehmen und Halten von Positionen ermöglichen, während gezielte Entspannungstechniken, Wahrnehmungsschulung etc. das sexuelle Empfinden und Erleben steigern können, wie sich in dieser Arbeit herausstellen wird.

Auch die Angehörigenschulung, im Sinne von Aufklärung und Beratung des Partners oder der Partnerin über die möglichen Defizite und über die Möglichkeiten von Handling, Lagerung bzw. Positionen während des Geschlechtsaktes, kann einen wichtigen Therapieinhalt darstellen und sollte in der Therapie Platz finden.

Ziel dieser Arbeit ist es, physiotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten auszumachen und darauf aufbauend Behandlungskriterien zu formulieren, um einen Weg mit der Patientin zu finden, ein erfülltes Sexualleben führen und erleben zu können. Im Zuge dessen wird es auch unumgänglich sein, die Rolle der Physiotherapie in der interdisziplinären Vorgangsweise zu analysieren, damit dieses Randthema nicht unbeachtet und unbehandelt bleibt.