Titelaufnahme

Titel
Berufsbezogene Krankheitsbilder des Bewegungsapparates bei Zahnärztinnen und Zahnärzten - internationaler Vergleich mit Österreich
Weitere Titel
Work-related musculoskeletal disorders in dentists – international compare with Austria
VerfasserStrasser, Lisa
Betreuer / BetreuerinKundegraber, Manuela
Erschienen2014
Datum der AbgabeMai 2014
SpracheDeutsch
DokumenttypBachelorarbeit
Zugriffsbeschränkung
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Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten treffen in ihrer Tätigkeit häufig auf Patientinnen und Patienten mit Nacken-, Schulter- und Rückenbeschwerden, wie es bei zahnärztlichem Personal häufig vorkommt. Somit können Therapeutinnen und Therapeuten Fehlhaltungen erkennen und Maßnahmen setzen, um diese in Zukunft zu vermindern. Aber auch die Bereiche Gesundheitsförderung und Prävention gewinnen in der Physiotherapie immer mehr an Bedeutung. Um eine optimale Haltung zu gewährleisten und Beschwerden zu verhindern, ist die Ergonomisierung des Arbeitsplatzes demnach ein wichtiger Ansatzpunkt. Jedoch soll Prävention multifaktoriell sein und nicht nur auf Ergonomie fokussiert sein. Der Schwerpunkt sollte auf folgende Bereiche gelegt werden: Ergonomie, Pausen und Pausengestaltung während der Arbeitszeit, allgemeiner Gesundheitszustand und körperliche Betätigung. Neben der möglichen Prophylaxe von berufsbedingten Krankheitsbildern, können auch Faktoren wie Kosteneinsparung im Gesundheitssystem und eine verbesserte Lebensqualität berücksichtigt werden

In den letzten 20 Jahren haben musculoskeletal disorders (MSD) am Arbeitsplatz deutlich zugenommen. Das Auftreten von Erkrankungen des Bewegungsapparates bei zahnärztlichem Personal wird in der Literatur mit unterschiedlichen Angaben dokumentiert. Zahlreiche Studien schreiben, dass 62 – 87% der Zahnärztinnen und Zahnärzten in ihrem Berufsleben schon MSD erlebt haben.

Anhaltende statische Positionen, repetierende Bewegungen, schlechte Beleuchtung, genetische Veranlagungen, Stress, Alter und Geschlecht sind somit Ursachen für MSD. Der häufigste Risikofaktor scheint die andauernde statische Haltung zu sein, welche hohe statische Muskelkontraktionen im Nacken- und Schulterbereich erzeugt. Diese statischen Muskelkräfte sind belastender als dynamische Bewegungen.

Es ist weitgehend anerkannt, dass Risikofaktoren für berufsbedingte Beschwerden des Bewegungsapparates in der Zahnmedizin multifaktoriell sind. Nacken- und Schulterprobleme sind oft mit statischen und anhaltenden Positionen verbunden, während Hand- und Armschmerzen häufiger aus repetierenden Bewegungen resultieren. Zusätzlich sind persönliche Faktoren wie Größe, Gewicht, Alter, Geschlecht, sowie der allgemeine Gesundheitszustand wichtige Faktoren.

Aber auch psychosoziale Faktoren, wie Stress führen zu den genannten Beschwerden.

Demnach haben psychosoziale Faktoren ebenfalls einen großen Einfluss auf die Entstehung von MSD.

Die Prävalenz von Beschwerden des Bewegungsapparates in der Zahnmedizin ist relativ hoch und reicht von 36 – 72%, obwohl aktuelle Studien meinen, die Zahl könnte sogar höher liegen.Trotz der Entwicklung zur „vierhändigen“ Zahnmedizin und ergonomisch unterstützendem Equipment, zeigen Studien Symptome, wie Rücken-, Nacken-, Schulter- und Armschmerzen bei etwa 80% der Zahnärztinnen und Zahnärzten.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass MSD in der Zahnmedizin sehr häufig auftreten und die am meisten betroffenen Körperregionen Nacken, unterer Rücken und Schultern sind.

Da Zahnärztinnen und Zahnärzte einen Großteil ihres Lebens am Arbeitsplatz verbringen, ist es besonders wichtig, dass das Umfeld optimal auf die jeweiligen Voraussetzungen abgestimmt ist. Valachi und Valachi beschreiben detaillierte Präventionsstrategien und ergonomische Techniken um die Folgen von langanhaltenden statischen Positionen zu mindern.

Diese Autoren meinen, dass MSD durch eine geeignete Positionierung des Zahnpersonals und der Patientinnen und Patienten, regelmäßige Pausen, eine gesunde Lebensweise und durch Training reduziert werden können.

Stressmanagement ist ebenfalls ein wichtiger Faktor, da Stress bekanntlich Muskelspannung erhöht und Schmerzen auslösen kann. Die Zahnmedizin ist generell als Arbeit anerkannt, auf Stress anfällig zu sein und Arbeiterinnen und Arbeiter sind ermutigt, Managementtechniken, wie z.B. Entspannung, Meditation, aerobe Ausdauersportarten oder Yoga anzuwenden.

Zahnmedizinstudentinnen und Zahnmedizinstudenten sollten von Beginn an über die optimale Arbeitshaltung belehrt werden. Um ihre Gesundheit zu schützen, sollten alle Zahnärztinnen und Zahnärzte, gleichgültig welches Fachgebiet, eine Schulung über die Aspekte der Ergonomie, einschließlich Pausengestaltung erhalten.