Titelaufnahme

Titel
Einschränkung der Option zur Steuerpflicht in der Umsatzsteuer betreffend Umsätze aus der Vermietung und Verpachtung von Grundstücken
Weitere Titel
Restriction of the option for taxation in the system of value added tax concerning transactions of leasing and letting of immovable property
VerfasserEller, Bernd
GutachterWiesinger, Rupert
Erschienen2014
Datum der AbgabeJuni 2014
SpracheDeutsch
DokumenttypBachelorarbeit
Schlagwörter (DE)Option zur Steuerpflicht / Einschränkung des Umfanges der Option / Vermietung und Verpachtung von Grundstücken / Berichtigung des Vorsteuerabzugs / (Steuer)Befreiungen stellen eigenständige Begriffe des Unionsrechts dar / Unionsrechtliche Definition / Auslegung des Begriffs der Vermietung eines Grundstücks / weites Ermessen – eng auszulegen / Richtlinie 2006/112/EG / Richtlinie 77/388/EWG
Schlagwörter (EN)option for taxation / restriction of the scope of the option / leasing and letting of immovable property / adjustment of deductions / (tax)exemptions have their own independant meaning in Community law / Community definition / interpretation of the concept of a leasing of immovable property / wide discretion – interpreted strictly / Council Directive 2006/112/EC / Council Directive 77/388/EEC
Zugriffsbeschränkung
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Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Es liegt im Ermessen der Mitgliedsstaaten Ausnahmen von der Steuerbefreiung für die Vermietung von Grundstücken vorzusehen (vgl EuGH 15.12.1993, C-63/92, Lubbock Fine). Weiters werden den Mitgliedsstaaten hinsichtlich der Steuerbefreiung oder der Besteuerung dieser Umsätze ein weites Ermessen eingeräumt (vgl EuGH 03.02.2000, C-12/98, Amengual Far). Entschließt sich jedoch ein Mitgliedsstaat Steuerbefreiungen einzuführen, sind die Begriffe der Steuerbefreiungen eng auszulegen (vgl EuGH 12.09.2000, C-358/97, Irland), da sie Ausnahmen von dem allgemeinen Grundsatz darstellen, dass jede Dienstleistung eines Steuerpflichtigen der Umsatzsteuer unterliegt (Ausnahme vom Mehrwertsteuersystem) (vgl EuGH 07.09.1999, C-216/97, Gregg). Weiters können die Mitgliedsstaaten entscheiden, ob sie für ihre Steuerpflichtigen noch das Recht einräumen, sich für oder gegen eine Besteuerung zu entscheiden (Optionsmöglichkeit) und haben auch die Befugnis, den Umfang dieses Wahlrechts einzuschränken (Einschränkung der Option) (vgl Art 137 Mehrwersteuersystemrichtlinie; EuGH 08.06.2000, C-396/98, Schlossstraße; EuGH 03.12.1998, C-381/97, Belgocodex).

In Österreich wurde durch das 1. StabG 2012 von Art 137 letzter Satz Mehrwertsteuersystemrichtlinie Gebrauch gemacht und die Einschränkung der Optionsmöglichkeit von Umsätzen aus der Vermietung und Verpachtung von Grundstücken iSd Art 135 Abs 1 lit l Mehrwertsteuersystemrichtlinie auf jene Fälle beschränkt, bei denen der Leistungsempfänger nahezu ausschließlich Umsätze tätigt, die einen Vorsteuerabzug nicht ausschließen (vgl § 6 Abs 1 Z 16 iVm § 6 Abs 2 UStG 1994).

Hinzuweisen verbleibt, dass sich der Europäische Gerichtshof in jüngster Zeit mit dem Begriff der „Vermietung von Grundstücken“ beschäftigte und das grundlegende Merkmal darin sieht, dass dem Vertragspartner auf bestimmte Zeit gegen eine Vergütung das Recht eingeräumt wird, ein Grundstück wie ein Eigentümer in Besitz zu nehmen und andere davon auszuschließen (vgl EuGH 04.10.2001, C-326/99, Goed Wonen; EuGH 09.10.2001, C-108/99, Cantor Fitzgerald; EuGH 12.06.2003, C-275/01, Sinclair Collins). Maßgebend dafür, ob ein Umsatz unter diese Definition fällt ist, dass alle obigen Merkmale sowie Umstände erfüllt sind (vgl EuGH 16.12.2010, C-270/09, MacDonald Resorts). Im Interesse eines funktionierenden Mehrwertsteuersystems dürfen Dienstleistungen nicht künstlich aufgespalten werden, weshalb es wichtig ist festzustellen, ob es sich bei den erbrachten Dienstleistungen um zB mehrere selbständige Hauptleistungen oder um eine einheitliche Leistung handelt (vgl EuGH 27.09.2012, C-392/11, Field Fisher Waterhouse). Wiederholt stellte der Europäische Gerichtshof auch fest, dass der Begriff der Vermietung eines Grundstücks nicht von der Auslegung nationalen Zivilrechts abhänge, sondern einen eigenständigen unionsrechtlichen Begriff darstelle (vgl EuGH 16.01.2003, C-315/00, Maierhofer; EuGH 15.11.2012, C-532/11, Peffekoven). Der Begriff des Grundstücks wurde nunmehr unionsrechtlich definiert (vgl VO (EU) 1042/2013 des Rates vom 07.10.2013 ABl L 284/4).

Zusammenfassung (Englisch)

It is at the discretion of the Member States to provide exemptions from the tax exemption for the leasing of immovable property. Furthermore, the Member States are given a wide discretion in relation to exemption or taxation of those transactions. However, if a Member State decides to introduce tax exemptions, the terms of the exemptions have to be interpreted strictly, since they constitute exceptions to the general principle that every service of a taxpayer is subject to VAT (exemption from value added tax system). Furthermore, Member States may decide whether they still give their taxpayers the right to decide for or against a tax option and also have the power, to restrict the scope of that right of option. Austria has made use of the restriction of the option in 2012 and makes it dependent on whether the beneficiary is entitled to deduct almost exclusively. The European Court lately dealt with the letting and leasing of immovable property. It was repeatedly noted by the European Court that the (tax)exemptions have their own independent meaning in Community law and must be given a Community definition. The term “immovable property” has been defined by European Union law in 2013.