Titelaufnahme

Titel
Gemischt genutzte Grundstücke mit dem Fokus auf „schlichtes“ Miteigentum bei Ehegatten
Weitere Titel
Mixe-used properties with a focus on simple co-ownership
VerfasserWachter, Reinald
GutachterWiesinger, Rupert
Erschienen2014
Datum der AbgabeJuni 2014
SpracheDeutsch
DokumenttypBachelorarbeit
Schlagwörter (DE)gemischt / genutzte / Grundstücke / Gebäude / Ertragssteuerrecht / Umsatzsteuerrecht / schlichtes Miteigentum
Schlagwörter (EN)mixe-used / buildings / facilities / income tax / turnover tax / simple co-ownership
Zugriffsbeschränkung
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Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Diese Arbeit widmet sich der steuerlichen Behandlung von gemischt genutzten Grundstücken / Gebäuden. Den gemischt genutzten Immobilien kommt seit jeher eine Sonderstellung im Steuerrecht zu. Für diese Wirtschaftsgüter bestehen verschiedenste Sonderbestimmungen sowohl im Ertragssteuerrecht als auch im Umsatzsteuerrecht. Besonderer Bedeutung kommt dabei der Berücksichtigung der Vorgaben der Richtlinie 2006/112/EG des Rates vom 28. November 2006 über das gemeinsame Mehrwertsteuersystem (MwStSyst-RL bzw EU Vat system) zu.

Die Zuordnung dieser Wirtschaftsgüter zum Betriebsvermögen ist sowohl für die Betriebsausgaben als auch in Bezug auf das Ausscheiden aus dem Betriebsvermögen von Bedeutung. Aus der Zuordnungs- und Abgrenzungsproblematik resultieren Fragen, die insbesondere auch die Berechnung des betrieblichen Anteils berühren.

Aus einkommensteuerlicher Sicht hat die Aufteilung des Gebäudes grundsätzlich nach dem Verhältnis der Nutzflächen zu erfolgen. Wenn diese Aufteilung zu keinem sachgerechten Ergebnis führt, kann auch die Nutzbarkeit oder Wertigkeit der Räumlichkeiten Berücksichtigung finden. Eine Aufteilung des Gebäudes in einen betrieblichen bzw nicht betrieblich genutzten Teil hat nach der Rechtsprechung des VwGH zu unterbleiben, wenn die Nutzung eines Gebäudebereiches von untergeordneter Bedeutung ist (80/20-Prozent-Regel).

Im Bereich der Umsatzsteuer ist die Rechtslage bis 2010 von der Rechtssache „Seeling“ geprägt. Nach über sechs Jahren hat der VwGH nach einer vorherigen Anfrage beim EuGH entschieden, dass ein auf die Bestimmungen des § 12 Abs 2 Z 2 lit a UStG gestützter Ausschluss des VSt-Abzuges für Ausgaben der privaten Sphäre zulässig ist. Nach dieser nationalen Bestimmung, die bereits vor dem EU-Beitritt normiert wurde, sind somit jene Gebäudeteile, die überwiegend privaten Wohnzwecken dienen, einem VSt-Abzug nicht zugänglich. Mit der Richtlinie 2009/162/EU vom 22.12.2009 wurde zudem die MwStSyst-RL um den Artikel 168a ergänzt. Im Ergebnis ist davon auszugehen, dass ab 2011 generell der VSt-Abzug im Ausmaß der tatsächlichen unternehmerischen Nutzung zusteht. Die Anmerkung des VwGH in der Entscheidung über die Amtsbeschwerde, dass der VSt-Abzug „jedenfalls für Zeiträume vor Inkrafttreten von Artikel 168a der MwStSyst-Rl durch die (speziellere) Bestimmung des § 12 Abs 2 Z 2 lit a UStG 1994 geregelt wird“ könnte aber auch so verstanden werden, dass ab 2011 nicht mehr auf das Überwiegen abzustellen ist . Die Regelung des § 12 Abs 2 lit a UStG iV m § 20 EStG führt nach Auffassung des VwGH in Bezug auf ein Gebäude, bei dem einzelne Räume überwiegend (>als 50%) für private Wohnzwecke des Unternehmers verwendet werden, somit dazu, dass die Umsatzsteuern, die auf diese Räumlichkeiten entfallen, vom VSt-Abzug ausgeschlossen sind .

Inwieweit für Zeiträume vor Inkrafttreten von Artikel 168a der Mehrwertsteuersystemrichtlinie bei der Nutzung auf das Überwiegen abzustellen bedarf der Rechtsklärung.

Aus dem Blickwinkel des Umsatzsteuerrechts und des Ertragssteuerrechts wird in dieser Arbeit ein wesentliches Augenmerk der Errichtung und Verwendung von Gebäuden im „schlichten“ Miteigentum geschenkt. Diese Betrachtung erfolgt unter Berücksichtigung der EuGH-Judikatur zu diesem Themenbereich. Dabei stellen sich ua Fragen zur Ehegattengemeinschaft die beispielsweise beim Erwerb eines Gebäudes durch Ehegatten als Miteigentümer auftreten. Nach Auffassung des EuGH steht dem nutzenden Ehegatten im Falle der Verwendung eines Raumes für betriebliche Zwecke, der VSt-Abzug, der auf den Raum entfällt zu, sofern der Nutzungsanteil nicht über den Miteigentumsanteil hinausgeht.

Zusammenfassung (Englisch)

This thesis deals with the tax treatment of mix-use buildings and premises. Mix-use properties have always occupied a special position pertaining to fiscal law. As far as these assets are concerned, they are subject to a variety of special provisions as regards both income and turnover tax law. Special importance needs to be attached to the requirements stipulated in Directive 2006/112/EG issued by the Council dated 28 November 2006 and dealing with the common VAT regulations.

Not only does the classification of these assets as business assets play an important role with regard to operating costs but they are also relevant in terms of the with-drawal of business assets. There are challenging questions arising in the context of the defining and classifying assets, especially when it comes to calculating to what extent the assets are used for business purposes.

From the point of view of income tax the subdivision of buildings is based on the pro-portion of usable area. If this division is not appropriate, usability and value of the premises can also be taken into consideration. According to a decision of the Admin-istrative Court it is not allowed to make any distinction between facilities that are used for business purposes or not if the usage of the facility is of minor importance. (80/20 percent rule).

As far as turnover tax is concerned, the legal matter “Seeling” had profound influence on the legal situation until 2010. After six years, following an inquiry with the European Court of Justice, the Administrative Court decided that the entitlement to deduct pre-tax on private expenditures is denied if the entitlement draws upon the provisions stipulated in section 12, subsection 2 Z 2 lit a of the Value Added Tax Act. According to this national provision, which had already been introduced before the EU accession, the parts of a building predominantly used for non-business related reasons are not qualified for pre-tax deduction. As part of the directive 2009/162/EU, dated 29 December 2019, section 168a was added to the Directive on the VAT system. Essentially, it means that as of 2011 input tax deduction relating to actual business usage is permitted. However, the Court of Justice’s explanatory note in the ruling on a complaint, which stated that the input tax deduction “will be based on the (more detailed) provisions stipulated in section 12, subsection 2 Z 2 lit of the Value Added Tax Act until the entry into force of section 168a of the Directive on the VAT system”, may imply that as of 2011 “predominant usage” will no longer suffice as a stringent criterion. According to the Court of Justice, the provision contained in section 12, subsection 2 Z 2 lit a of the Value Added Tax Act will exclude buildings from input tax deduction in which some rooms are predominantly used for private purposes by the entrepreneur.

Before section 168a of the Directive on the VAT system comes into effect legal clari-fication as to which extent “predominant usage” can be used as a criterion is still necessary.

This thesis lays special emphasis on the construction and usage of buildings based on the idea of “simple” co-ownership. It will elaborate on this complex issue from the perspective of turnover and income tax law and take into account relevant rulings of the European Court of Justice. Among other things, there will be questions relating to marital communities, which play a role when, for instance, a husband purchases a house as a co-owner. If, according to the European Court of Justice, the husband uses a room for business purposes, he is entitled to deduct input tax for this room, provided the extent to which the room is used does not go beyond his share of co-ownership.