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Title
Boston versus Chêneau Korsett - Hat die Art des Korsetts Einfluss auf die Physiotherapie bei idiopathischer Skoliose?
Additional Titles
Boston versus Chêneau brace - Does the type of brace influence physical therapy in idiopathic scoliosis?
AuthorJanu, Nadine
Thesis advisorSchume, Claudia
Published2016
Date of SubmissionMarch 2016
LanguageGerman
Document typeBachelor Thesis
Restriction-Information
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Classification
Abstract (German)

In der Behandlung der idiopathischen Skoliose spielt ab einem bestimmten Cobb-Winkel die Korsettbehandlung eine wichtige Rolle. Zwischen 20° und 45° nach Cobb wird ein Korsett verordnet, wenn der Patient oder die Patientin noch genügend Wachstumspotenzial aufweist. Dieses Wachstumspotenzial kann man mit dem sogenannten Risser Zeichen, welches Auskunft über die skelettale Knochenreife der Beckenkammapophyse, die mittels einer Röntgenaufnahme bestimmt wird, feststellen. Das Risser Zeichen beinhaltet 5 Stadien, wobei Stadium 0 keiner, Stadium 1 einer beginnenden und Stadium 5 einer vollkommenen Ossifikation entspricht. In den Stadien 0-2 kann man noch von genügend Wachstumspotenzial ausgehen und somit wäre hier eine Behandlung mit einem Korsett sinnvoll, wenn die Krümmung der Wirbelsäule zwischen 20° und 45° nach Cobb liegt.

Ein Korsett wird nach einem Gipsabdruck des/der Betroffenen aus Kunststoff gefertigt und hat sogenannte Druckpelotten eingeklebt. Diese Druckpelotten üben an 3 bestimmten Stellen Druck auf den Brustkorb aus, um in der Wachstumsphase des/der Jugendlichen die Verstärkung der Krümmung zu reduzieren. Bei einer rechtskonvexen thorakalen Skoliose liegt eine Pelotte am Scheitelwirbel, der Wirbel, der die Spitze der Krümmung bildet, und zwei Pelotten auf der linken Seite. Eine Pelotte befindet sich seitlich am Becken und die andere in der Nähe der Achsel.

In dieser Bachelorarbeit werden zwei Korsetttypen näher vorgestellt. Das Boston Korsett wurde in den USA entwickelt und besteht aus einem vorgefertigten symmetrischen Beckenteil aus Kunststoff. Das vorgefertigte Beckenteil wurde anhand von gesunden Patienten und Patientinnen nach einem Gipsabdruck angefertigt. Das Ziel dieses Korsetts ist es die Wirbelsäule gerade zu drücken, was mit großen Schmerzen verbunden ist. Aufgrund dieser Schmerzen werden heutzutage auch andere Modelle des Boston Korsetts verordnet, die mit drei Druckpelotten entsprechend der Skoliose und dem Röntgenbild angefertigt werden.

Das Boston Korsett bewirkt eine Aufrichtung und Derotation der Wirbelsäule und wird bei lumbalen und thorakolumbalen Skoliosen zwischen 20° und 45° nach Cobb verordnet.

Das zweite Korsett ist das Chêneau Korsett, welches in Frankreich entwickelt wurde. Dieses Korsett wird nach einem Gipsabdruck aus Kunststoff angefertigt und verfügt über einen asymmetrischen Beckenkorb. Zusätzlich besteht es aus drei Druckpelotten und gegenüber befindet sich ein Freiraum, der als Ausgleichsraum dient.

Dieses Mieder ist ein teilaktives Inspirations-Derotationskorsett, wodurch die Korrektur der bestehenden Fehlstellung durch Druckzonen (Pelotten), durch Freiräume in der Orthese, die als Ausgleichsräume dienen, und durch eine speziell zu erlernende Atemtechnik erreicht wird. Das Ziel dieser Atemtechnik ist die Atembewegungen des Brustkorbes beim Einatmen auf die Freiräume zu lenken, um diese Seite der Lunge mehr zu belüften.

Das Chêneau Korsett kann für thorakolumbale und thorakale Skoliosen zwischen 20° und 45° angewendet werden.

Der Wirkmechanismus dieser beiden Korsette konnte anhand von wissenschaftlichen Studien gezeigt werden. Es konnte im Großen und Ganzen die Verkrümmung der Wirbelsäule reduziert und so das Risiko für eine Operation vermindert werden. Einen Nachteil konnte das Boston Korsett aufzeigen, denn durch den starken Druck auf den Brustkorb vermindert sich die Lungenfunktion. Das Ergebnis dieser Studie zeigt eine Reduktion der Vitalkapazität, des Residualvolumens, der funktionellen Residualkapazität, der totalen Lungenkapazität und der forcierten Einsekundenkapazität.

Hier stellt die atemtherapeutische Behandlung in der Physiotherapie eine entscheidende und wichtige Rolle dar, um die Lungenfunktion zu verbessern.

Dieses Beispiel lässt sich gut mit der zentralen Fragestellung kombinieren, denn für eine gute Behandlung ist es sinnvoll die Zielsetzung des Korsetts und jene der Physiotherapie aufeinander abzustimmen und nötigenfalls die Physiotherapie um Ziele zu erweitern, die durch das jeweilige Korsett nicht bzw. wenig erreicht werden.