Titelaufnahme

Titel
Ich schone mich lieber! : Physiotherapeutische Ansätze bei Bewegungsangst und Vermeidungsverhalten von Menschen mit unspezifischem Rückenschmerz
Weitere Titel
Physical therapist´s interventions addressing kinesiophobia and fear-avoidance behavior in people with non specific low back pain
VerfasserRenzhofer, Tamara
GutachterEder, Gerhard
Erschienen2016
Datum der AbgabeMärz 2016
SpracheDeutsch
DokumenttypBachelorarbeit
Zugriffsbeschränkung
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Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Der unspezifische Rückenschmerz (NSLBP) verursacht jährlich hohe volkswirtschaftliche Kosten, die sich aus häufigen Arztbesuchen und multiplen Therapien, aber auch zahlreichen Krankenständen und Frühpensionierungen zusammensetzen. Abgesehen von strukturellen Schädigungen am Bewegungsapparat weist die Nationale VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz besonders auf die Berücksichtigung von yellow flags (psychosoziale Einflussfaktoren) in Diagnostik und Therapie hin, denn empfundener Schmerz und tatsächliche Gewebsveränderungen stehen erwiesenermaßen nur relativ in Zusammenhang. Individuelle Einstellungen spielen bei der Wahrnehmung und Aufrechterhaltung von Schmerz eine entscheidende Rolle. Übertriebene Ängste in Hinblick auf die Bedeutung und Prognose von NSLBP beeinflussen das Verhalten von Betroffenen und können zu Bewegungsangst, Inaktivität und Vermeidungsverhalten führen. Dies kann, wenn es unerkannt und unbehandelt bleibt, ein erster Schritt Richtung Chronifizierung sein. Deshalb scheint es sinnvoll, ängstliche Tendenzen möglichst früh zu erkennen und auf sie einzugehen.

Im Prozess des Clinical Reasoning gewinnt die Berücksichtigung von Yellow Flags ebenfalls zunehmend an Bedeutung. Wird also Bewegungsangst und Vermeidungsverhalten bei Patientinnen und Patienten festgestellt, so gilt es aus physiotherapeutischer Sicht, diese Faktoren in die eigenen Überlegungen miteinzubeziehen, um geeignete Interventionen auszuwählen und die optimale Wirksamkeit der angewendeten Maßnahmen zu gewährleisten.

Diese Arbeit hat die Erhebung, Sammlung und Darstellung von physiotherapeutischen Interventionen, die Bewegungsangst und Vermeidungsverhalten reduzieren, zum Thema. Die Umsetzbarkeit der jeweiligen Intervention in der physiotherapeutischen Praxis soll diskutiert werden.

Konkret formuliert lautet die forschungsleitende Frage: Welche Interventionen im Rahmen der Physiotherapie eignen sich zur Reduktion von Vermeidungsverhalten und Bewegungsangst von Patientinnen und Patienten mit akutem und subakutem NSLBP? Zusätzlich wird die Erkennung und Quantifizierung von Bewegungsangst und Vermeidungsverhalten besprochen und Schnittstellen zu anderen therapeutischen Disziplinen werden dargestellt.

Methodisch wird die Forschungsfrage im Rahmen einer nicht- empirischen Forschungsarbeit beantwortet. Die Arbeit ist am Design eines Scoping Review orientiert. Die Datenbanken PubMed, PEDro, Cochrane und Google-Scholar lieferten durch unterschiedliche Kombinationen definierter Forschungsbegriffe insgesamt 176 Ergebnisse, welche nach festgelegten Ein- und Ausschlusskriterien aussortiert wurden. Die systematische Suche wurde durch Ergebnisse aus manueller Suche, weiterführenden Literaturhinweisen sowie related citations ergänzt, um weitere Aspekte in die Beantwortung der Frage zu integrieren. Die Extrahierung, Bewertung, Interpretation und Diskussion der aus der Literatur gewonnenen Daten ist Gegenstand der Bachelorarbeit 2.

Ein Überblick über die bisher gesichteten Forschungsergebnisse gibt erste Hinweise auf den physiotherapeutischen Umgang mit Bewegungsangst und Vermeidungsverhalten. Es finden sich einige randomisierte Studien zum akuten und subakuten NSLBP, die den Einfluss von physiotherapeutischen Intervention auf Bewegungsangst und Vermeidungsverhalten anhand standardisierter Tools miterheben. Laut European Guidelines for the Management of Acute Nonspecific Low Back Pain in Primary Care fehlen jedoch bislang Studien, welche Interventionen in Bezug auf psychosoziale Faktoren bei akuter und subakuter NSLBP als primären Forschungsgegenstand haben.

Mit diesem Wissen erscheint ein Überblick über physiotherapeutische Interventionen, die Einfluss auf eben jene therapiebeeinflussenden Parameter nehmen, umso interessanter. Dies kann für den differenzierten therapeutischen Umgang mit akuter und subakuter NSLBP Aufschluss geben und mögliche Ansätze zur Risikominimierung einer Chronifizierung aufzeigen.