Titelaufnahme

Titel
Dekompensierende Exophorie mit juveniler Hypoakkommodation : Ein Fallbericht
Weitere Titel
Decompensating exophoria with juvenile hypoaccommodation A case report
VerfasserBruckner, Janine
Betreuer / BetreuerinHirmann, Elisabeth ; Grainer, Ida
Erschienen2012
Datum der AbgabeNovember 2012
SpracheDeutsch
DokumenttypBachelorarbeit
Schlagwörter (DE)Dekompensation / Exophorie / Hyperopie / Juvenile Hypoakkommodation
Schlagwörter (EN)decompensation / exophoria / hypermetropia / juvenile hypoaccommodation
Zugriffsbeschränkung
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Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Einleitung

Im Jänner 2006 wurde der 14-Jährige Patient erstmals an der Praktikumsstelle der Akademie für den orthoptischen Dienst am allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien vorgestellt. Eine Vielzahl an orthoptischen Untersuchungen ergab die Diagnose dekompensierende Exophorie.

Wenn die Fusion nicht aufrechterhalten werden kann, geht ein latentes Schielen in ein zeitweilig manifestes Schielen über und führt, im Gegensatz zur dekompensierten Heterophorie, zu intermittierender Diplopie. Aufgrund von asthenopischen Beschwerden wie verschwommen Sehen und Kopfschmerzen wurde unter Ausschluss von Differentialdiagnosen ein weiteres Krankheitsbild diagnostiziert – die juvenile Hypoakkommodation. Da unzureichend akkommodiert werden konnte, kam es zu oben erwähnten Beschwerden. Durch die Verordnung eines Nahzusatzes und orthoptischen Binokularübungen war der Patient am Ende beschwerdefrei.

Methodik

Von September 2005 bis Dezember 2007 wurden zahlreiche Untersuchungen des Patienten von Augenärzten/Augenärztinnen sowie Orthoptisten/Orthoptistinnen in der Sehschule sowie der Praktikumsstelle der Akademie für den orthoptischen Dienst am allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien durchgeführt.

Nach Erhebung der Anamnese wurden die Sehschärfe, die Augenstellung inklusive Ausmessung des objektiven und subjektiven Schielwinkels, das Binokular- und Stereosehen, das Farbsehen, die Konvergenz und die Augenmotilität, die Akkommodation und Fusionsbreite sowie die Fixation untersucht. Es erfolgte eine objektive und subjektive Refraktionsbestimmung zur Brillenneuverordnung. Entsprechend des Krankheitsbildes der dekompensierenden Exophorie mit juveniler Hypoakkommodation wurden über einen Zeitraum von zwei Monaten orthoptische Binokularübungen durchgeführt sowie eine Gleitsichtbrille verordnet.

Ergebnisse

Der Patient war von 2005 bis 2007 aufgrund einer Exophorie mit zeitweiligen Doppelbildern und einer juvenilen Hypoakkommodation in Behandlung. Er gab an, oft Kopfweh und Konzentrationsschwierigkeiten zu haben und seit einigen Jahren im Nahbereich verschwommen zu sehen. Die Fernsehschärfe war auch ohne Korrektur sehr gut, nur die Sehschärfe im Nahbereich nicht altersentsprechend. Mit Hilfe einer Gleitsichtbrille, welche für die Ferne ein geringes Plusglas und für die Nähe eine Nahaddition von +1,0 sph beeinhaltete, wurden diese Beschwerden behoben. Zusätzlich wurden orthoptische Schulungen zur Vergrößerung der Fusionsbreite und zur besseren Kompensation der Doppelbilder durchgeführt.

Diskussion

Die Begriffe dekompensierend und dekompensiert werden terminologisch abgegrenzt. Weiters wird anhand unterschiedlich großer Schielwinkel in verschiedenen Distanzen zwischen Exzess- oder Insuffizienztypen unterschieden. Als wichtigster Faktor zum Ausgleich der Doppelbilder wird die Fusion beschrieben, allerdings können zahlreiche Ursachen beeinträchtigend wirken und dadurch starke Beschwerden auftreten.

Die juvenile Hypoakkommodation ist ein Krankheitsbild, welches das Sehen in der Nähe erschwert. Es entsteht ein hoher Akkommodationsaufwand für die angeforderte Distanz. Die Betroffenen geben häufig asthenope Beschwerden wie Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten oder Diplopie an.

Zahlreiche Differentialdiagnosen müssen ausgeschlossen werden. Das Ziel der Diagnostik und Therapie ist es, dem Patienten ein beschwerdefreies binokulares Sehen zu ermöglichen.

Zusammenfassung (Englisch)

Introduction

In January 2006, the 14-year-old patient was first presented at the internship of the academy for orthoptic service at the General Hospital of Vienna. His fusion could not be sustained and consequently a latent squint decompensated to a temporary manifest squint causing intermittent diplopia. This is in contrast to decompensated heterophoria. The patient complained of blurred vision and intermittent diplopia as well as headache at close range. When excluding differential diagnoses, another disease, the “juvenile hypoaccommodation” was diagnosed. The patient was not able to accommodate adequately, resulting in the complaints mentioned above. A variety of orthoptic examinations revealed the final diagnosis “decompensating exophoria with juvenile hypoaccommodation”. A properly selected therapy included a near addition and binocular exercises. Finally the patient was symptom-free.

Methods

From September 2005 to December 2007, several examinations were accomplished by eye doctors and orthoptists doing their internship at the academy for orthoptic services at the General Hospital of Vienna.

Following the analysis of the medical history, several examinations were performed: visual acuity, eye position, including the measurement of the objective and subjective squint angles, the binocular and stereoscopic vision, color vision, convergence and eye movements, accommodation and fusion width, fixation and also the objective and subjective refraction for prescribing a new pair of glasses.

The patient carried out binocular exercises over a period of two months. Multifocal glasses were prescribed.

Results

From 2005 to 2007, the patient was treated due to an exophoria with temporary double vision and juvenile hypoaccommodation. He complained about headache, difficulty in concentrating and blurred vision at close range in the last few years. His vision was good for far range without any correction. Concentrating at close range caused problems. With the help of multifocal glasses, which included a low plus lens and a near addition, these complaints were solved. In addition, Orthoptic training sessions were conducted to increase the fusion width in order to compensate his double vision.

Discussion

The fusion is the most important factor for compensating double vision. Numerous reasons can impair fusion causing different symptoms. Juvenile hypoaccomodation is a disease which causes problems in near vision. The patients extensive accommodative efforts cause asthenopic complaints, for example headache or diplopia. Several differential diagnoses must be excluded. The goal of diagnosis and treatment is normal binocular vision without problems.