Titelaufnahme

Titel
Tuberkulose (be-)trifft wohnungslose Menschen. Über die soziale Bedingtheit einer Krankheit.
Weitere Titel
Tuberculosis affects/meets homeless people. About the social relativity of an disease.
VerfasserAigner, Kerstin
GutachterHammer, Elisabeth
Erschienen2016
Datum der AbgabeJuli 2016
SpracheDeutsch
DokumenttypBachelorarbeit
Schlagwörter (DE)Tuberkulose / Wohnungslosigkeit / Zugangsbarrieren zum Gesundheitssystem / Tuberkulosekontrolle
Schlagwörter (EN)tuberculosis / homelessness / barriers to health care / tuberculosis control
Zugriffsbeschränkung
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Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

In Österreich weist die Zahl an Tuberkuloseerkrankungen seit vielen Jahren einen rückläufigen Trend auf. Trotzdem kann die Situation der Tuberkulose in Österreich nicht als gelöstes Problem bezeichnet werden, da sie primär von Armut betroffene Personen heimsucht. Die Arbeit beruht auf der These der sozialen Bedingtheit der Tuberkulose mit dem Ziel verschiedene Faktoren darzustellen, die eine Verbreitung der Tuberkulose bei marginalisierten Gruppen begünstigen. Im Fokus stehen wohnungslose Menschen, da sie im Gegensatz zur Mehrheitsgesellschaft, ein deutlich höheres Risiko aufweisen an Tuberkulose zu erkranken. Anhand der Darstellung der Lebensbedingungen wohnungsloser Menschen und ihren Schwierigkeiten im Zugang zur medizinischen Versorgung, soll das Zusammenspiel von Tuberkulose und Wohnungslosigkeit diskutiert werden. Als relevant erweisen sich hierbei chronischer Stress, schlechte Wohnbedingungen, eine unzureichende Ernährung, langfristiger Alkoholkonsum sowie formale, finanzielle, organisatorische und soziale Barrieren zu Einrichtungen des regulären Gesundheitssystems. Außerdem wird die Rolle der Sozialen Arbeit anhand von präventiven Maßnahmen zur Bekämpfung der Tuberkulose dargestellt und kritisch beleuchtet. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf den verpflichtenden TB-Kontrolluntersuchungen von wohnungslosen Menschen in niederschwelligen Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe. Wie sich zeigt, kann es nicht Aufgabe einer Notschlafstelle sein, die Ziele des öffentlichen Gesundheitswesens eins zu eins umzusetzen und Präventionsarbeit gegen TB zu leisten. Ein freiwilliges Angebot zur Kontrolluntersuchung – ohne Androhung von Zwangsmaßnahmen und Sanktionen – würde die Selbstbestimmung der KlientInnen respektieren und SozialarbeiterInnen von ihrer Rolle als „verlängerter Arm“ der Gesundheitsbehörde befreien.

Zusammenfassung (Englisch)

The number of tuberculosis cases in Austria has shown a downward trend for many years. Nevertheless, the tuberculosis situation in Austria cannot be described as a solved problem, as it primarily afflicts people affected by poverty. The paper is based on the thesis of the social relativity of tuberculosis with the aim of explaining various factors which encourage the dissemination of tuberculosis among marginalised groups. The focus is on homeless people, as they have a significantly higher risk of developing tuberculosis in contrast to the majority society. Based on the presentation of the living conditions of homeless people and their difficulties in accessing medical care, the interplay between tuberculosis and homelessness will be discussed. In this respect, chronic stress, poor housing conditions, inadequate nutrition, long-term alcohol consumption and formal, financial, organisational and social barriers regular health care institutions prove to be relevant. Furthermore, the role of social work based on preventive measures to combat tuberculosis will be presented and critically assessed. The main focus here is on the compulsory TB check-ups for homeless people in low-threshold facilities for the homeless. As it has become evident, it cannot be the task of an emergency shelter to realise the public health objectives on a one-to-one basis and take preventative measures against TB. A voluntary check-up offer – without the threat of coercive measures and sanctions – would respect the self-determination of the clients and free social workers from their role as the “extended arm” of the health authorities.