Titelaufnahme

Titel
Die Spiraldynamik und Supramalleolarorthese bei Kindern mit Trisomie 21
Weitere Titel
Spiraldynamik and Supramalleolar Orthosis for Children with Trisomy 21
VerfasserPoss, Magdalena
Betreuer / BetreuerinHöhne, Franziska
Erschienen2016
Datum der AbgabeMärz 2016
SpracheDeutsch
DokumenttypBachelorarbeit
Zugriffsbeschränkung
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Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Die Inzidenz der Neugeborenen mit Trisomie 21 liegt bei ca. 1:700. Neben den organischen Problemen der Kinder mit Trisomie 21, wie z.B. Herzfehler oder die primäre Gonadeninsuffizienz, sind auch die orthopädischen Auffälligkeiten hervorzuheben.

Der Knick-Senkfuß zählt bei Kindern mit Trisomie 21 zu den häufigsten Fußfehlstellungen. Es kommt zu einer Verminderung oder Aufhebung des Fußlängsgewölbes. Der Fuß steht in einer vermehrten Eversion und Pronation und die Vertikalisierung ist erschwert. Als Hauptursache dafür zählt, neben der allgemeinen Bänderschwäche, auch die zentrale Hypotonie.

Um eine möglichst physiologische Korrektur des Knick-Senkfußes zu erreichen und so die Vertikalisierung und den sicheren Stand zu erleichtern, muss das Fersenbein korrekt ausgerichtet werden. Orthesen oder sensomotorische Einlagen bieten dem Fuß die notwendige Stabilität bei der Gewichtsübernahme, wodurch die neuromuskuläre Kontrolle, das Zusammenspiel von Hirn, Nerven und Muskeln, verbessert wird. Ein Beispiel für diese Orthesen ist die Supramalleolarorthese (SMO). Studien zeigen, dass die SMO vor allem dann einen positiven Effekt auf die grobmotorischen Fähigkeiten der Kinder mit Trisomie 21 - wie z.B. das Stehen - haben, wenn die Kinder bereits ein paar Schritte gehen können.

Da die Hypotonie ein zentrales Problem ist und somit auch das neuromuskuläre Zusammenspiel betrifft, können neben den passiven Orthesen auch aktive Übungen zu einer Verbesserung des sicheren Standes führen.

Die Spiraldynamik nach Dr. med. Christian Larsen ist ein Bewegungs- und Therapiekonzept, welches sich mit aktiven Bewegungen unseres Körpers auseinandersetzt und somit eine mögliche Therapieform für den Knick-Senkfuß bei Kindern mit Trisomie 21 darstellen könnte.

Das Konzept beschäftigt sich mit zwei Hauptprinzipien – dem Spiral- und dem Keilprinzip. Christian Larsen schreibt in seinem Buch, dass die spiralige Verschraubung und das Keilprinzip die Schlüsselmerkmale des menschlichen Fußes sind.

Als Grundlage dient die Erkenntnis, dass die Form der Spirale - die Helix - nicht nur in der Natur (Schneckenhäuser, Wasserstrudel, Wirbelwind, etc.), sondern auch im menschlichen Körper (DNS-Doppelhelix, Herzmuskelfasern des linken Herzventrikels, Proteinstrukturen, Kreuzbänder, Hüftgelenkskapsel, etc.) ein grundlegendes Strukturprinzip darstellt. Denn sie ist in sich stabil und zur gleichen Zeit flexibel. Das Spiralprinzip lässt sich auch beim menschlichen Fuß beobachten: „Er ist dreidimensional in sich verschraubt.“ Der Rückfuß dreht in Supination, während sich der Vorfuß in Pronation bewegt.

Das Keilprinzip baut auf folgender Theorie auf: Das Gewölbe des Fußskeletts ist mit einem römischen Torbogen oder einem Iglu aus Schneeziegeln zu vergleichen. Wie bei den Ziegeln, stabilisieren sich die drei Keilbeine und die drei angrenzenden Metatarsalknochen durch ihre Form und Anordnung unter Belastung von selbst. Nimmt die Belastung zu, steigt die In-Sich-Stabilität des Gewölbes.

Beide Prinzipien stehen in enger Verbindung. Die spiralige Verschraubung des Fußes ist der Wirksamkeit des Keilprinzips vorangestellt. In Kombination bieten sie dem Fuß eine optimale Stabilität unter Belastung

Beim Knick-Senkfuß findet eine ungenügende Verschraubung statt. Larsen bezeichnet dieses Phänomen als 3D-Hypotorsion. Die 3D-Torsion wird mit Hilfe des Spiralprinzips erlangt. Da dieses unmittelbar mit dem Keilprinzip in Verbindung steht, müssen beide Prinzipien in der Behandlung des Knick-Senkfußes beachtet werden. Als Voraussetzung dieser beiden Prinzipien gilt die orthograde bzw. lotrechte Ausrichtung der Ferse.

Die Therapie der Spiraldynamik beinhaltet Wahrnehmungsschulung, Mobilisation, Stabilisation, propriozeptives Training, konzentrisches und exzentrisches Training und Koordinationstraining.

In der Bachelorarbeit 2 soll nun analysiert werden, ob die Spiraldynamik in Kombination mit der Supramalleolarorthese in der Behandlung der Knick-Senkfüße von Kindern mit Trisomie 21 einen positiven Beitrag für deren Standsicherheit leisten könnte.