Titelaufnahme

Titel
„Erziehen statt Strafen“?Freiheitsentziehende Maßnahmen bei straffälligen Jugendlichen im Kontext des deutschen u. österreichischen Jugendstrafrechts
Weitere Titel
"Education instead of Punishment"? Custodial measures for young offenders in the context of the German and Austrian juvenile justice law
VerfasserKuntscher, Nina
GutachterMusil, Verena
Erschienen2013
Datum der AbgabeJuni 2013
SpracheDeutsch
DokumenttypBachelorarbeit
Schlagwörter (DE)Jugendgerichtsgesetz / freiheitsentziehende Maßnahmen / Jugendarrest / Erziehung / Strafe / Diversion / Jugendgerichtshilfe
Schlagwörter (EN)juvenile justice law / custodial measures / youth detention / education / punishment / diversion / social work at the juvenile court
Zugriffsbeschränkung
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Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Jugendliche befinden sich auf ihrem Weg zum Erwachsenendasein in einem hoch emotionalen, herausfordernden Reifungsprozess und in einer Phase der Sozialisation. Im Zuge dessen können auch Konflikte mit dem Strafgesetz häufig eine Rolle spielen. Diese Auseinandersetzungen sind aber zumeist nur vorübergehend, deshalb sind die zuständigen AkteurInnen im Jugendstrafverfahren angehalten, erzieherisch sinnvoll und an die Situation des/der Jugendlichen angepasst zu entscheiden.

Diese Arbeit setzt sich im Wesentlichen mit den Themenbereichen Erziehung, der Bedeutung von (staatlicher) Strafe im erzieherischen Kontext und dem Freiheitsentzug als repressives Erziehungsinstrument auseinander. Vor allem die Sinnhaftigkeit von freiheitsentziehenden Maßnahmen und das ambivalente Verhältnis der Begriffe Erziehung und Strafe sind im Zuge dieser Bachelorarbeit genauer in Augenschein genommen worden, um die Frage zu klären, ob in der heutigen Zeit die Anwendung von freiheitsentziehenden Maßnahmen bei straffällig gewordenen Jugendlichen noch gerechtfertigt ist.

Dabei liegt der Fokus vor allem auf dem deutschen Jugendstrafverfahren mit seiner Besonderheit des Jugendarrestes als freiheitsentziehende Maßnahme. Zusätzlich werden in dieser Arbeit die alternativen Ansätze des österreichischen Jugendstrafgesetzes beschrieben.

Das deutsche Jugendgerichtsgesetz bietet eine große Bandbreite an gerichtlich anordenbaren Maßnahmen mit unterschiedlicher Sanktionshärte (Erziehungsmaßregeln, Zuchtmittel, Jugendstrafe). In Österreich existiert kein vergleichbarer Maßnahmenkatalog, wobei hier im Unterschied zu Deutschland die Diversion als außergerichtliche Möglichkeit im Jugendstrafgesetz klar verankert ist.

Erziehung sollte nicht bedeuten 'Angst vor Bestrafung' durch Abschreckung auszulösen, sondern sie müsste den/die Jugendliche/n auf einer moralischen Bewusstseinsebene erreichen, um sich so langfristig im moralischen Verständnis des/der Jugendlichen zu verfestigen. Es gilt also Maßnahmen anzuwenden, die auf der moralischen Ebene ansetzen. Vor allem diversionelle Maßnahmen, wie zum Beispiel die direkte Konfrontation und Auseinandersetzung mit dem Opfer in Zuge eines Tatausgleichs, könnten hier eine Alternative darstellen. Nicht die Quantität, sondern die Qualität der auswählbaren Maßnahme(n) sollte im Vordergrund stehen - ganz nach dem Motto „Weniger ist mehr“.

Zusammenfassung (Englisch)

Young people are in a highly emotional and challenging process of maturation and socialization on their way to adulthood and sometimes they might get in conflict with the criminal law during this process. However these judicial problems are usually only temporary, therefore it is necessary that the responsible persons within criminal proceedings are encouraged to choose educationally appropriate sanctions which are adapted to the situation of the respective young person.

Therefore this thesis mainly deals with the topics of education, the meaning of (state) punishment in the educational context and the deprivation of liberty as a repressive educational tool. Especially the usefulness of custodial measures and the ambivalent relationship of the terms education and punishment have been in focus in order to clarify the question whether the use of custodial measures at juvenile delinquents is still justified at the present time.

The focus is mainly set on the German juvenile justice system with its special measure of youth detention as a deprivation of liberty. For comparison, this thesis also takes a look at the Austrian system of justice which functions alternatively within the context of youth criminal law.

The German law on juvenile justice offers a wide range of measures with different degrees of 'sanctional severity' (educative measures, disciplinary means, youth custody). In comparison the Austrian law offers no similar range of measures. In contrast to Germany solely the diversion as an extrajudicial way is clearly integrated in the juvenile justice law.

Education should not mean to trigger "fear of punishment" through deterrence, but education should enable young persons to realise the moral impact of their actions. Therefore it is necessary to apply measures which launch into this moral level. Especially measures within diversion, such as direct confrontation and argument with the victim could offer an alternative. The focus should not be on the quantity but the quality of offered measures, following the saying of: "less is more".