Titelaufnahme

Titel
Adoleszente idiopathische Skoliose - Die wahre Arbeit des Rückenstreckers
Weitere Titel
adolescent idiopathic scoliosis - the true work of the musculus erector spinae
AutorInnenKarner, Paul
GutachterSchume, Claudia
Erschienen2016
Datum der AbgabeMärz 2016
SpracheDeutsch
DokumenttypBachelorarbeit
Zugriffsbeschränkung
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Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Laut Definition versteht man unter dem Begriff Skoliose eine Seitenverbiegung der Wirbelsäule. Es gibt Skoliosen mit und ohne Verdrehung der Wirbelkörper. Am häufigsten ist die idiopathische Skoliose.

Dabei kommt es zu einer dreidimensionalen, teilfixierten, progredienten Wirbelsäulenverkrümmung. Die Dreidimensionalität bezieht sich auf die drei Körperebenen, teilfixiert beschreibt das fehlende Gleitvermögen von mindestens zwei artikulierenden Wirbelkörpern. Die Progredienz beschreibt das Fortschreiten der Verformung, welche ohne gezielt gesetzte Gegenmaßnahmen mit der Zeit zunimmt.

Die größte Prävalenz aller Skoliosen weist die adoleszente idiopathische Skoliose auf, welche ohne Ausnahme eine Rotation der Wirbelsäule aufzeigt. Bei einem überwiegenden Anteil der PatientInnen ist eine rechtskonvexe Thorakalverkrümmung vorzufinden. Zu den Betroffenen zählen hauptsächlich Mädchen. Die pathologischen Abweichungen der Wirbelsäule von der Norm beginnen häufig im Alter von zehn bis elf Jahren. Im Rahmen des pubertären Wachstumsschubes können sich vorhandene, geringbogige Differenzen mit rascher Progredienz verschlechtern.

Eines der Merkmale der AIS sind die Veränderungen der passiven Strukturen, die häufig folgendes umfassen: Keilform und Torsion der Wirbelkörper, sowie resultierende pathologische Anpassungen der Querfortsätze. Auch die Winkel, in denen Gelenksflächen aufeinandertreffen, weichen durch die Deformitäten von der Norm ab. Dies wiederum führt zu veränderten Spannungszuständen der Ligamente, welche an der Wirbelsäule ansetzen. Des Weiteren kommt es auch zu Modifikationen der faszialen Strukturen, da abweichende Zugrichtungen und Kräfte entstehen, die auf sie wirken.

All die dargestellten Veränderungen stehen in Wechselwirkung mit dem Spannungszustand der umliegenden Muskulatur. Es entstehen ungleiche Zugbelastungen, die auf das Muskelgewebe wirken und es in seinem Verlauf, sowie in seiner Funktion, beeinträchtigen.

Vor allem die autochthone Rückenmuskulatur, welche aufgrund ihrer Lage auch als paravertebrale Muskulatur bezeichnet wird, ist von Stellungsveränderungen der Wirbelsäule unmittelbar betroffen. Die Hauptaufgaben dieser Muskulatur finden sich in der Stabilisation, Aufrichtung, Drehung, Seitneigung und Fallverhinderung des Wirbelskelettes wieder.

Die Darstellung, wie sich die Muskelaktivität der autochthonen Rückenmuskulatur bei PatientInnen mit AIS im Vergleich zu Gesunden derselben Altersgruppe verändert, stellt das Ziel dieser Arbeit dar. Unter dem Begriff „Muskelaktivität“ werden die Intensität sowie die Dauer der Muskelkontraktion verstanden. Diese findet sowohl bei statischer (isometrische Muskelkontraktionen), als auch bei dynamischer Arbeitsweise (exzentrische und konzentrische Kontraktion), statt. Beurteilt wird diese Aktivität mittels EMG (=Elektromyografie) – Messungen.

Die zentrale Fragestellung lautet wie folgt: „Welche Unterschiede hinsichtlich der Muskelaktivität der autochthonen Rückenmuskulatur gibt es bei PatientInnen mit adoleszenter idiopathischer Skoliose im Vergleich zu gesunden Personen derselben Altersgruppe?“.

In der Physiotherapie ist die autochthone Rückenmuskulatur, bei PatientInnen mit AIS, von zentraler Bedeutung. Dies begründet sich darin, dass die Herstellung einer bestmöglich aufrechten, symmetrischen Körperhaltung ein primäres Ziel ist.

Bei dieser PatientInnen-Gruppe ist die optimale Funktion jener Muskeln eine Grundvoraussetzung. Die Notwendigkeit besteht, um Belastungen für den aktiven und passiven Bewegungsapparat zu reduzieren, eine maximale Ökonomie in Haltung und Bewegung zu ermöglichen und resultierend die Selbstkorrektur für die PatientInnen zu erleichtern.

Die Erkenntnisse aus der Literatur, hinsichtlich der Unterschiede in der Muskelaktivität der paravertebralen Muskulatur, bei PatientInnen mit AIS, im Vergleich zu einer gesunden Population derselben Altersgruppe, werden im Laufe der Bachelorarbeit 1 und 2 aufgezeigt.

Die Ergebnisse sollen PhysiotherapeutInnen ermöglichen, diese bei ihrer Auswahl von Untersuchungs- und Behandlungsmaßnahmen bewusst zu berücksichtigen, um so den bestmöglichen Therapieerfolg für die PatientInnen zu gewährleisten.

Die vorliegende Arbeit, sowie auch die Bachelorarbeit 2 sind rein theoretische, nicht-empirische Forschungsarbeiten. Das Wissen für die Begriffsdefinitionen in der Bachelorarbeit 1 stammt zum Großteil aus Fachbüchern, als auch vereinzelt aus wissenschaftlichen Fachzeitschriften (Artikeln aus online-Journals).

Bei der Literaturrecherche wurde darauf geachtet, möglichst aktuelle Quellen auszuwählen, um dem aktuellen Wissensstand gerecht werden zu können. Neben der Literatur aus Datenbanken wurden auch Fachbücher aus dem Privatbesitz sowie aus der Bibliothek der Fachhochschule Campus Wien herangezogen.

Die gesamte, ausgewählte Literatur wurde anschließend in Abstimmung auf die Forschungsfrage inhaltlich vernetzt.