Titelaufnahme

Titel
Ist der Zivilprozess noch zeitgemäß und leistbar?
Weitere Titel
Is the civil process still up-to-date and affordable?
VerfasserMoschen, Claudia
Betreuer / BetreuerinCelec, Andreas ; Sedlacko, Michal
Erschienen2017
Datum der AbgabeJuni 2017
SpracheDeutsch
DokumenttypBachelorarbeit
Schlagwörter (DE)Zivilprozess / Zivilprozesskosten / Richter und Richterinnen / Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen
Schlagwörter (EN)civil case / civil case costs / judge / lawyer
Zugriffsbeschränkung
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Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Die österreichischen Rechtsanwälte beklagen sich in ihren jährlichen Wahrnehmungsbe-richten, dass in Österreich der Zugang zum Zivilverfahren immer schwieriger wird. Zu wenig Gerichtspersonal und zu hohe Gerichtskosten behindern die Rechtssuchenden und gefährden den Wirtschaftsstandort. Deshalb sinke die Zahl der Gerichtsverfahren.

In der vorliegenden Arbeit wird an Hand gängiger Statistiken und Analysemethoden für den Zeitraum 2006 bis 2015 untersucht, ob sich diese Behauptungen verifizieren lassen.

Es zeigt sich, dass die Zahl der Gerichtsverfahren tatsächlich deutlich gesunken ist. Al-lerding gibt es keine Belege dafür, dass dieser Trend durch Gerichtskosten oder andere Kosten determiniert wird. Auch in Deutschland sinkt die Zahl der Verfahren trotz deutlich geringerer Kosten. Generell wird dort auch weniger vor Gericht gestritten. Auch die übri-gen Verfahrenszahlen, wie zum Beispiel im Strafrecht, gehen trotz steigender Bevölke-rungszahlen zurück.

Die österreichische Justiz arbeitet nachhaltig, aber mit nachlassender Effizienz: bei stag-nierenden Richtzahlen sinkt die Zahl der Verfahren, während die Zahl der Anwälte steigt. Die Zahl der Verfahren pro Richter sinkt daher. Eine Erhöhung der Richterzahlen ist da-her nicht notwendig. Trotz weniger Verfahren wird durch Gebühren immer noch mehr eingenommen, als für den Gerichtsbetrieb notwendig ist.

Die Gesamtkosten eines Prozesses werden in erster Linie durch die Anwaltskosten und Sachverständigenkosten bestimmt, die Gerichtskosten spielen eine untergeordnete Rolle. Die Anpassung erfolgt in Anlehnung an den Verbraucherpreisindex und ist daher nicht höher als bei den übrigen Kosten des täglichen Lebens.

Die Überschüsse der Gerichte werden innerhalb des Justizministeriums zur teilweisen Bedeckung der Kosten des Strafvollzugs verwendet. Diese Kosten machen ein Drittel des Budgets aus und produzieren das ministerielle Defizit. Langfristig wäre daher eine Re-form der Gerichtsstrafen anzustreben.

Innerhalb des Zivilverfahrens werden relativ mehr Verfahren angefochten. Die Erfolgs-quote von Rechtsmitteln ist relativ stabil. Aus der Kombination von stärker sinkenden Ver-fahrenszahlen, relativ steigender Rechtsmittel- und in etwa gleich bleibender Erfolgsquote ergibt sich, dass die Anfechtung von Urteilen vielversprechender wird und daher die Qua-lität der Rechtsprechung sinkt. Als Schlussfolgerung lässt sich feststellen, dass die Be-deutung zivilgerichtlicher Fälle als Instrument der Streitbeilegung die ungebundenen Kos-ten- und Gebührenströme nicht beeinträchtigt.

Zusammenfassung (Englisch)

The Austrian lawyers complain in their annual report about the court and legislation sys-tem that it becomes more difficult to go to court in civil matters. A lack of court staff and rising dues hinder the plaintiffs and put the standing of Austria as a business location into trouble. Therefore the number of civil cases drops.

This study analyses the statement above by the means of statistics and empirical meth-ods for the time between 2006 and 2015 and tries to verify (or falsify) it.. The number of civil cases is indeed declining. Nevertheless there is no evidence that this because of rising costs, neither through judicial dues nor through lawyers´ fees. Also in Germany the number of civil cases is falling starting at a general lower level than in Austria, despite much lower expenses. In other trial categories digits are falling, such as criminal trials in spite of a larger population.

The Austrian courts work sustainably with shrinking efficiency: the number of judges re-mains static, trials decrease but there are more lawyers. The ratio of trials per judge is sinking. So we do not need more judges. The courts earn still more than they need for their expenses even though trials are decreasing.

The expenses for a court trial depend principally not on the judicial dues but on the fees of lawyers and chartered surveyors. Costs primarily increase according to the consumer price index and do not increase more than the other expenses of daily life.Judicial profits are used to finance the penal systems. The costs of correction amount to a third of the budget of the Department of Justice. The penal system produces the ministerial deficit and should therefore be reformed in the long run.

Within the civil case system appeals are rising. The ratio of successful stays about the same. Combining shrinking numbers of trials, rising numbers of appeals and stagnant ratios of success allow higher expectations of winning an appeal. This implicates worse judgements.As a conclusion can be stated that the importance of civil court cases as an instrument of dispute settlement declines regardless of trends in costs and fees.