Titelaufnahme

Titel
Das neue Maßnahmenvollzugsgesetz. Analyse aus sozialarbeiterischer Sicht
Weitere Titel
The new law on preventive detention. Analysis from a social work perspective
VerfasserRiener, Katharina
GutachterPlaschka, Ulrike
Erschienen2017
Datum der AbgabeMärz 2017
SpracheDeutsch
DokumenttypBachelorarbeit
Schlagwörter (DE)Soziale Arbeit / Maßnahmenvollzug / Maßnahmenvollzugsgesetz
Schlagwörter (EN)Social work / preventive detention / law on preventive detention
Zugriffsbeschränkung
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Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Die Möglichkeit der Unterbringung „geistig abnormer Rechtsbrecher“ besteht in Österreich seit der Strafrechtsnovelle 1975 und wurde seither nicht reformiert. Im Jahr 2014 kündigte Justizminister Wolfgang Brandstetter erstmals an, eine umfassende Reform durchführen zu wollen, und setzte zu diesem Zweck eine ExpertInnengruppe ein, die ihm im Jänner 2015 einen knapp 100 Seiten starken Bericht mit Kritikpunkten am derzeitigen System sowie Änderungsempfehlungen vorlegte.

Ziel der vorgelegten Arbeit war es ursprünglich, den zunächst für den Sommer 2015 angekündigten Entwurf eines neuen Maßnahmenvollzugsgesetzes zu analysieren und aus sozialarbeiterischer Sicht zu bewerten. Aufgrund der Tatsache, dass dieser Entwurf bislang (Februar 2017) nicht veröffentlicht worden ist, musste das Konzept dahin geändert werden, stattdessen zu formulieren, was ein solches Maßnahmenvollzugsgesetz enthalten müsste, um aus sozialarbeiterischer Sicht als positiv beurteilt werden zu können.

Zu diesem Zweck wird zunächst die derzeitige österreichische Rechtslage dargestellt sowie die Rolle der Sozialen Arbeit im Maßnahmenvollzug beleuchtet. Darauf folgen ein Überblick über Systeme des Maßnahmenvollzugs in Deutschland, der Schweiz, Schweden und Norwegen sowie die Analyse des Berichts der ExpertInnengruppe.

Folgende zentrale Anforderungen an ein Maßnahmenvollzugsgesetz aus sozialarbeiterischer Sicht können festgehalten werden:

Oberste Priorität im Maßnahmenvollzug muss die Resozialisierung der Untergebrachten haben. Dazu ist jedenfalls das vom deutschen BVerfG entwickelte Abstandsgebot umzusetzen. Als Vorbild kann das norwegische Modell des „forvaring“ herangezogen werden. Zudem sind eine Reduktion der Anzahl der InsassInnen sowie deren Anhaltedauer, eine Erhöhung der Qualität der Sachverständigengutachten und des Betreuungsschlüssels und die Schaffung einer ausreichenden Zahl qualitativ hochwertiger Nachbetreuungsplätze erforderlich. Weitere Forderungen aus Sicht der Sozialen Arbeit betreffen die bundesweite Umsetzung des sog. Salzburger Modells und die Einstellung von qualifiziertem Fachpersonal.

Zusammenfassung (Englisch)

The possibility of accommodating mentally disturbed offenders in special institutions has been existing in Austria since 1975 and has not been reviewed since. In 2014, minister of justice Wolfgang Brandstetter announced his ambition to carry out an extensive reform. For this purpose he constituted an expert committee, which in January 2015 presented their report, containing points of criticism and recommendations.

Originally, the goal of this thesis was to analyse the draft of the new law, which was supposed to be announced during summer 2015. Since the draft still has not been published, the concept had to be altered: the updated goal is to devise requirements which the new law should meet in order to be considered an improvement from a social work perspective.

For this purpose, the legal situation regarding preventive detention and the role of social work therein are described. Subsequently, an overview of systems in place in Germany, Switzerland, Sweden and Norway as well as the report of the expert committee is presented.

The key demands on a law on preventive detention from a social work perspective are as follow:

The resocialisation of mentally disturbed offenders should be a top priority. For this purpose it is crucial that the „Abstandsgebot“ (preventive detention has to be served in different institutions than prison-sentences) developed by the German constitutional court be implemented. The Norwegian model of „forvaring“ could serve as a role model therefor. Furthermore, it is necessary to reduce the number of inmates as well as the time they spend in preventive detention, improve the quality of expert opinions, increase the inmate employee ratio and create a sufficient amount of aftercare facilities. Additional demands from a social work perspective concern the nationwide implementation of the „Salzburger Modell“ and the recruitment of qualified personnel.