Titelaufnahme

Titel
Erhebung des aktuellen Wissensstandes: Der Einfluss der Behandlung der Fascia Thoracolumbalis auf die skoliotische Fehlhaltung im Erwachsenenalter
Weitere Titel
Elicitation of the current state of knowledge: The influence of the treatment of the thoracolumbar fascia in adult patients with scoliotic posture
VerfasserBergmann, Claudia
Betreuer / BetreuerinKundegraber, Manuela
Erschienen2017
Datum der AbgabeFebruar 2017
SpracheDeutsch
DokumenttypBachelorarbeit
Zugriffsbeschränkung
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Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Eine idiopathische Skoliose ist eine häufig auftretende Erkrankung die sich bereits im Ju-gendalter manifestieren kann. Definiert ist die Skoliose durch eine dreidimensionale Ver-krümmung der Wirbelsäule, mit einem Cobb-Winkel von mindestens 10°, durch ein Rönt-genbild kann dies diagnostiziert werden.1 Bei Kleinkindern ist sie noch sehr selten, jedoch bei Kindern im Alter zwischen sechs und 15 Jahren beträgt die Häufigkeit bereits 1% bis 2%. Bei Erwachsenen bis 25 Jahren liegt die Prävalenz bei 8%. Bei Personen zwischen 60 und 90 Jahren steigt der Prozentsatz auf 68. Das bedeutet, dass jede und jeder zweite über 60-Jährige an einer Skoliose erkrankt ist.1 Klassifiziert wird in eine Infantile (unter drei Jahre), Juvenile (zwischen drei und neun Jahren) und Adoleszente Skoliose (zwischen dem zehnten und 18. Lebensjahr), dies wird durch das Alter, in dem die Diagnose gestellt wird, bestimmt.1

Die Ätiologie einer Skoliose ist meist ungewiss, jedoch ist bekannt, dass es zu meist ver-schiedene Ursachen gib. Ein Grund könnte zum Beispiel eine familiäre Vorgeschichte sein, da Personen, bei denen bereits ein nahes Familienmitglied an einer Skoliose erkrankt ist, ebenfalls dazu neigen mit einer Skoliose diagnostiziert zu werden. Ob das Geschlecht einen essentiellen Faktor darstellt, ist noch unklar, jedoch wurde festgestellt, dass mit steigendem Alter, ab zehn Jahren, die Degeneration beim weiblichen Geschlecht schneller fortschreitet und häufiger auftritt als beim männlichen Geschlecht.1 Ebenfalls wird oft eine muskuläre Dysbalance2 als Ursache angesehen, jedoch wird den Faszien hierbei zu wenig Beachtung geschenkt, obwohl diese direkt mit den Muskeln korrelieren.4

Die Prognose ist abhängig vom Alter der Patientin und des Patienten, der Phase des Knochenwachstums und des Schweregrades in dem sich die Skoliose befindet. Infantile Skoliose bildet sich in 80% der Fälle spontan zurück, wodurch keine Behandlung benötigt wird. Bei den restlichen 20% schreitet die Skoliose fortlaufend weiter, wobei eine langjäh-rige und komplexe Behandlung erforderlich ist. Wird keine Behandlung durchgeführt, kann es zu restriktiven Lungenerkrankungen kommen.1

Ein Schnelltest ist der „Adams Vorbeugetest“, wobei der Rippenbuckel und / oder Len-denbuckel auf einer Seite verstärkt sichtbar wird.1 Bei der Skoliose im Erwachsenenalter unter 20° sollte alle vier bis sechs Monate ein Röntgenbild erstellt werden, um einen pro-gressiven Verlauf erkennen zu können. Übliche Behandlungsmethoden sind unter ande-rem Physiotherapie, wobei der „Schroth Therapie“ viel Bedeutung zugemessen ist, diese kann bereits bei milden skoliotischen Erkrankungen eingesetzt werden. Diese Therapie-möglichkeit wird bei 1.4.8. genauer definiert. Bei 30° bis 45° Cobb-Winkel wird an eine Mieder- oder Korsett-Versorgung gedacht, darin soll die Wirbelsäule bis zu mindestens 50% in ihre physiologische Form zurück gebracht werden. Im fortgeschrittenen Stadium, das bedeutet ab einem Winkel von über 45°, wird eine operative Korrektur und Stabilisation der Wirbelsäule in Betracht gezogen.1, 2

Faszien sind bei der Skoliosebehandlung noch kein spruchreifes Thema, dennoch gibt es immer wieder Studien, die belegen, dass es einen Zusammenhang zwischen den Faszien und den Muskeln im Bezug auf Länge, Kürze und Schmerzen gibt.4

Einige Autorinnen und Autoren beschrieben bereits, dass die Kraftmenge die durch die kontraktilen Zellen, vor allem in der Fascia Thoracolumbalis, erzeugt werden, ausreichen um einen Einfluss auf die muskoskeletale Dynamik zu nehmen.4 Durch die Kontraktion der Muskulatur dehnt sich die darüber liegende Faszie und verändert somit die Festigkeit des damit in Verbindung gesetzten Gewebes.4

Da die Spannung durch verschiedene Bewegungen gesteigert oder gesenkt werden kann, könnte ebenfalls ein Bezug auf die benachbarten Strukturen vorhanden sein. Studien ha-ben dieses Phänomen vor Kurzem vor allem für antagonistische und synergistische Mus-keln entdeckt.4 Dazu zeigen sie, dass die Spannung sich auf die Muskeln, die bei der Un-tersuchung bzw. Behandlung nicht in den Fokus gebracht werden können, übertragen kann. Da diese Übertragung möglich ist, muss daran gedacht werden die kompletten myofaszialen Ketten in den Überlegungsprozess mit einzubeziehen, anstatt sich auf die einzelnen Strukturen zu konzentrieren. Das ganzheitliche Denken ist sehr wichtig für die Behandlung einer Überbeanspruchung von verschiedenen Strukturen der myofaszialen Ketten.4