Bibliographic Metadata

Title
Progressives Widerstandstraining in der konservativen Behandlung von Mb. Parkinson. : Wissenschaftliche Hintergründe.
Additional Titles
Progressive resistance training for treating people with Parkinson´s disease. Scientific backgrounds.
AuthorWallentin, Jakob Manuel
Thesis advisorGreisberger, Andrea
Published2017
Date of SubmissionFebruary 2017
LanguageGerman
Document typeBachelor Thesis
Restriction-Information
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Classification
Abstract (German)

In der Fachliteratur wird statt Morbus Parkinson mittlerweile meistens der Begriff idiopathisches Parkinsonsyndrom verwendet. Dieses muss von anderen sekundären Parkinsonsyndromen, deren Ursachen bekannt sind, abgegrenzt werden. Um Missverständnissen vorzubeugen wird in dieser Arbeit nur noch der Begriff des idiopathischen Parkinsonsyndroms (IPS) verwendet werden. Das IPS ist nach der Alzheimer- Demenz die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung weltweit. Sowohl medizinisch als auch sozioökonomisch stellt diese Erkrankung eine immer größer werdende Herausforderung dar. Das begründet sich besonders auf folgenden Fakten:

In Europa gibt es derzeit etwa 1,2 Millionen verzeichnete Erkrankte. Die anfallenden Kosten an Gesundheitssysteme werden auf 13,9 Milliarden Euro geschätzt.

Der größte nicht modifizierbare Risikofaktor an IPS zu erkranken ist hohes Alter. Sowohl Inzidenz als auch Prävalenz steigen mit zunehmenden Alter stark an. Demnach beträgt die mittlere Inzidenz für die Gesamtbevölkerung in einkommensstarken Ländern 14/ 100 000 und für > 65-Jährige 160/ 100 000. Die Prävalenz kann mit ~0,15% angenommen werden und steigt bei >60 Jährigen auf 1% und bei >80 Jährigen auf 3%.

Die Lebenserwartung wird in Europa in den kommenden Jahrzenten noch weiter steigen, zwischen 2015 und 2030, im Schnitt (Männer und Frauen) um etwa drei Jahre. Zusätzlich wird eine starke Zunahme der Personen im höheren Alter erfolgen. In Österreich beispielsweise wird sich der Anteil der >65- Jährigen bis 2030 von 18,5% (2015) auf 22,8% der Gesamtbevölkerung erhöhen. In Bezug auf das IPS heißt das, dass sich die Zahl der Erkrankungen bis 2030 nach Schätzungen verdoppeln wird.

Während die Pathogenese mittlerweile gut erforscht ist, bleibt die Pathoätiologie des IPS immer noch im Dunklen. Das Voranschreiten der Erkrankung ist aufgrund der neuronalen Degenration unaufhaltsam, durch eine adäquate Therapie können die Symptome aber gemildert bzw. um etwa drei bis fünf Jahre hinausgezögert werden. Zwar konnte die symptomatische Therapie in den letzten Jahrzehnten stark weiterentwickelt werden; einen Therapieansatz der zum Stillstand oder gar einer Remission der Erkrankung führen würde gibt es bis dato aber nicht. Der Goldstandart ist nach wie vor die medikamentöse Therapie mit dem Dopamin Vorgänger Levodopa. In der physiotherapeutischen Behandlung liegt der Fokus auf den folgenden Kerngebieten: Hand- und Armgebrauch, Gleichgewicht, Mobilität und körperliche Leistungsfähigkeit. Körperliche Leistungsfähigkeit umfasst die Leistungsfähigkeit des kardiorespiratorischen- und jene des neuromuskulären Systems. Eine ausreichende körperliche Leistungsfähigkeit stellt eine Grundvoraussetzung für die Ausführung von alltäglichen Aktivitäten und die Partizipation an und in der Gesellschaft dar.

Verglichen mit gleichaltrigen gesunden Personen sind Patientinnen mit Parkinson (PmP) etwa um ein Drittel weniger aktiv. Inaktivität führt zu einer Abnahme der Muskelkraft und Muskellänge; bei älteren Menschen v.a. der gewichtstragenden Muskulatur der unteren Extremität. Bei PmP wird eine reduzierte Muskelkraft der unteren Extremität mit vermindertem Gangtempo und erhöhtem Sturzrisiko assoziiert. Weiters wirkt sich reduzierte Muskelkraft negativ auf die Balancefähigkeit und funktionelle Mobilität aus. Durch die Abnahme dieser Fähigkeiten sinkt wiederum der Aktivitätslevel und ferner gesehen die körperliche Leistungsfähigkeit und Mobilität.

Progressives Widerstandstraining (PWT) kann die Muskelkraft bei PmP steigern. Positive Effekte, wie die Erhöhung der eben genannten Muskelkraft, eine gesteigerte Balancefähigkeit und eine Verminderung von parkinsonspezifischen motorischen Symptomen, konnten in mehreren aktuellen Systematic Reviews aufgezeigt werden. Zwar erkennt man beim Lesen dieser Arbeiten, dass es sinnvoll sein kann PWT in die Therapie zu integrieren, wie dies in der Praxis umgesetzt werden könnte geht daraus aber nicht hervor. Gegenstand dieser Bachelorarbeit soll es sein eben jene praktische Umsetzung der MTT, genauer des PWT, in der Therapie des IPS, zu beleuchten. Die zentrale Fragestellung lautet:

„Wie kann progressives Widerstandstraining mit PmP durchgeführt werden?“

Um sie zu beantworten sollen im Zuge der Arbeit folgende Unterfragestellungen bearbeitet werden:

a) Wie definiert sich progressives Krafttraining?

b) Mit welchen Trainingsparametern sollte bei PmP gearbeitet werden?

c) Welche Muskelgruppen sind bei PmP und damit im Training von besonderer Relevanz?

d) Mit welchen Übungen kann trainiert werden?

Der wichtigste Aspekt der vorliegenden Arbeit ist der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in ein Format von klinisch praktischer Anwendbarkeit. So soll im Sinne der Evidence based Practice ein Überblick geschaffen werden wie man PWT in der physiotherapeutischen Praxis umsetzen kann und welche Aspekte dabei besonders zu beachten sind. Lesern soll etwas in die Hand gegeben werden, das praktisch sofort ein- und umsetzbar ist.