Bibliographic Metadata

Title
Der institutionalisierte Mensch
Additional Titles
The institutionalized man
AuthorGansch, Martina
Thesis advisorHarrer, Christa
Published2018
Date of SubmissionJanuary 2018
LanguageGerman
Document typeBachelor Thesis
Keywords (DE)Hospitalismus / Institutionen / Fremdbetreuung / Asylheime / Totale Institution / Salutogenese / Strafvollzug / Geriatrie / Krankenhaus / Empowerment
Keywords (EN)Hospitalism / Institutions / Salutogenesis / Asylum centres / Total institutions / Imprisonment / Hospital / Empowerment / Geriatrics
Restriction-Information
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Classification
Abstract (German)

Hospitalismus ist vielen Menschen im Sozialbereich und darüber hinaus ein Begriff, wenngleich die Beschreibung und Erforschung dazu erst im letzten Jahrhundert begann. In Folge zahlreicher Beobachtungen, welche Auswirkungen Betreuungs- und Lebensformen haben können, die den Betroffenen wenig Entscheidungsfreiheit und Handlungsspielraum lassen, kam es in den letzten Jahrzehnten zu weitreichenden Reformen. Dazu gehören die Heimreform 2000 oder die Psychiatriereform. Seither nahm die Zahl der Publikationen zum Thema Hospitalisierung ab, bzw. wurde es unter anderen Überschriften oder in anderen Zusammenhängen betrachtet. Das bedeutet aber nicht, dass es Hospitalisierung mit ihren Folgen nicht mehr gibt. In vielen Bereichen der Sozialen Arbeit trifft man nach wie vor auf Menschen, die in Großheimen aufgewachsen sind oder in anderen Institutionen hospitalisiert wurden. Auch in Familien kann es durch grobe Vernachlässigung oder durch ein Klima von körperlicher oder psychischer Gewalt zu Deprivation bei Kindern kommen, die häufig weitreichende Folgen hat.

Selbst wenn die Folgen von Deprivation im Kindesalter am schwersten wiegen mögen, so können auch bereits erwachsene Personen hospitalisiert werden. Am häufigsten betroffen sind davon behinderte Menschen und psychiatrische Klientel, GefängnisinsassInnen und BewohnerInnen von Pflegeheimen. Ebenso davon betroffen können MigrantInnen, die in Asylheimen oder Erstaufnahmezentren auf die oft lang dauernde Entscheidung warten, ob sie in Österreich bleiben dürfen sowie PatientInnen in Krankenhäusern sein. Letztere sind zumeist nur kurzzeitig hospitalisiert und hilflos und finden, sofern vollständig genesen, meistens wieder relativ leicht in ihr Leben vor dem Krankenhausaufenthalt zurück. Alle anderen benötigen meistens mehr Unterstützung, um langfristig ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Einige bleiben auch ihr Leben lang von Hilfen im institutionellen Kontext abhängig und begegnen uns daher in verschiedenen Bereichen der Sozialen Arbeit und mit unterschiedlichsten Fragestellungen und Problemlagen. Somit ist Hospitalismus, der Umgang mit Betroffenen, aber auch dessen Vermeidung ein zentrales Thema in allen helfenden Berufen. Daher beschäftigt sich die vorliegende Arbeit damit, wie Hospitalisierungstendenzen in verschiedenen Feldern der Sozialen Arbeit entgegengewirkt werden kann und wie mit bereits hospitalisierter Klientel umgegangen werden sollte.

Zu Beginn der Auseinandersetzung steht die Begriffsdefinition von Hospitalismus und synonym oder ergänzend verwendeten Ausdrücken, wie dem Deprivationssyndrom oder der erlernten Hilflosigkeit von Seligman. Ausgehend von der Deprivation im Kindesalter und den damit einhergehenden Entwicklungsverzögerungen und Bindungsstörungen spannt sich der Bogen weiter zur Hospitalisierung von behinderten Menschen, psychiatrischer Klientel, AsylwerberInnen, GefängnisinsassInnen und schließlich BewohnerInnen von Pflegeheimen. Die vorliegende Arbeit soll weiters kritisch hinterfragen, inwiefern vorhandene Hilfesysteme möglicherweise auch Dauerabhängigkeiten von Institutionen erschaffen, sodass viele Personen, die im Kontext der Sozialen Arbeit begleitet werden (und sogar professionelle HelferInnen) schließlich in der Überzeugung leben, dass ein selbständiges und selbstbestimmtes Leben für die Betroffenen nicht möglich sei. Schließlich soll aufgezeigt werden, welchen Umgang SozialarbeiterInnen mit hospitalisierten Menschen finden können, um sie in Richtung größere Selbständigkeit und Unabhängigkeit zu begleiten. Dazu werden Theorien, wie das salutogenetische Modell von Antonovsky und Konzepte des Empowerment herangezogen. Grundsätzliche Überlegungen, wie der Umgang mit KlientInnen sein sollte und welche strukturellen Änderungen im Hilfesystem empfehlenswert wären, schließen die Arbeit ab.

Abstract (English)

Hospitalism is a well-known item, especially for social workers, although research about hospitalism and its consequences started in the last century. The experienced long term effects on people of living in institutions for a long time, with having few possibilities for decisions, lead to reforms in the last decades, as the Heimreform 2000 or the Psychiatriereform. Since then publications to the item hospitalism became less or other wording was used. This does not mean, that hospitalism and its consequences does not exist. Social workers have much contact to people, who were living in institutions for a long time. Even children can show effects of hospitalism when they grow up in families, where they are neglected or experience violence or psychical abuse. This means wide-ranging effects for these children.

Although the effects of hospitalism during childhood seem to have the worst consequences, adults can also be affected by experiencing hospitalism. Most influenced are disabled people, people with psychiatric experiences, prison inmates, people living in nursing homes and migrants, who live in asylum centers to wait for the decision if they can stay in Austria or not. The time for this decision often lasts very long. Patients in hospital can also be affected by hospitalism, but this effects are normally short and reversible. Contrary to patients in hospital other hospitalized people mostly need more and consequent help to get back to an independent life. Some of them need institutional help for the rest of their lives. So they are met in different social institutions with different questions and difficulties. As a consequence hospitalism is an item with high priority in social work and it is necessary to find strategies to work with those people and their relatives and also to find ways to prevent people from hospitalism.

At the begin of the discussion the item hospitalism has to be defined and synonyms have to be named, liked the deprivation syndrome or learned helplessness by Seligman. First early deprivation and its effects on relationships will be discussed. Then it goes on with hospitalism of disabled and psychiatric people, migrants in asylum institutions, prison inmates and people, who live in nursery homes. Furthermore it should be critically discussed, how helping institutions make their clients depending on them, till even professional social workers and the affected people themselves believe, that they cannot live without institutional help. The second part deals with the possibilities of preventing hospitalism and how to work with people who experienced deprivation, so that they can be accompanied to a life with more independence and self-determination. In this context the concept of salutogenesis from Antonovsky and the importance of empowerment will be discussed. Suggestions for changings in the welfare system and how to accompany hospitalized people will end the discussion.