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Title
Wenn Krippenkinder „groß sein“ müssen : Wie eine Krippenpädagogin frühkindliche Selbstständigkeit begleitet Eine Einzelfallstudie
Additional Titles
When toddlers need to be “grown up” How a nursery teacher accompanies independence in early childhood A single case study
AuthorHanke, Raphaela
Thesis advisorHover-Reisner, Nina
Published2018
Date of SubmissionFebruary 2018
LanguageGerman
Document typeBachelor Thesis
Keywords (DE)Selbstständigkeit / Bildungsziele / Ökonomisierung / Kinderkrippe / Bildung / Betreuung / Sorgetätigkeit / Innerpsychische Prozesse
Keywords (EN)independence / educational goals / economization / institutional day care / education / care / intrapsychic processes
Restriction-Information
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Classification
Abstract (German)

Im Zentrum der Arbeit steht die Praxis, dass jungen Kindern in Krippen oftmals abverlangt wird, dass sie selbstständig sind und für sich selbst sorgen. Auf relevante Theorien bezugnehmend wird zunächst dargestellt, dass sich eine ökonomisierte Bildungslogik nicht nur auf das Selbstverständnis und Aufgabenprofil frühpädagogischer Einrichtungen auswirkt, sondern auch auf das innerpsychische Gleichgewicht der PädagogInnen. Im Zuge einer Einzelfallstudie wird die Frage diskutiert, inwiefern diese äußeren Bedingungsfelder innerpsychische Prozesse dahingehend beeinflussen, dass sie die Art und Weise bedingen, mit der eine Pädagogin Selbstständigkeit in einer Kinderkrippe begleitet. Dabei wurden Beobachtung und Interview in Anlehnung an Trunkenpolz (2016) kombiniert und tiefenhermeneutisch ausgewertet. Als wesentlichstes Ergebnis zeichnet sich ab, dass die zunehmende Ökonomisierung des elementarpädagogischen Aufgabenprofils und somit die Verschiebung einer betreuenden und sorgenden Aufgabe zu einer bildenden Aufgabe, im Inneren der Pädagogin Druck ausübt und sie funktionieren muss. Indem sie den Krippenkindern eine Selbstständigkeit abverlangt, ist sie nicht nur entlastet, sondern entspricht einer gesellschaftspolitischen Erwartungshaltung, die auf der Vorstellung basiert, dass Kinder in modernisierten Lebenszusammenhängen nur erfolgreich sein können, wenn sie möglichst früh lernen selbstständig zu sein. Am Ende der Arbeit wird darauf aufmerksam gemacht, dass aktuelle bildungspolitische Entwicklungen eine besorgniserregende Psychodynamik evozieren und es von Nöten ist, die Bedeutsamkeit der Betreuungs- und Sorgetätigkeit in gesellschaftspolitischen Diskursen zu betonen.

Abstract (English)

This thesis focusses on the practice that young children in institutional day care are often required to be independent and take care of themselves. Referring to relevant theories, it is first shown that an economized educational logic affects not only the goals and profile of early childhood education, but also the intrapsychic balance of nursery teachers. The presented single case study discusses in how far external conditions influence intrapsychic processes and how that, in turn, effects the manner in which a teacher accompanies independence in a nursery. Observation and interview methods based on Trunkenpolz (2016) were combined and analyzed with text interpretation based on depth hermeneutics. The most important result is that the increasing economization of the elementary pedagogical task profile and the shift from care to education it engenders exerts pressure within the nursery teacher. Demanding independence from toddlers, the nursery teacher’s burden is relieved and she also fulfills a socio-political expectation according to which modern life contexts require from children to learn to be independent as soon as possible in order to be successful in life. At the end of the thesis, attention is drawn to the fact that current educational policy developments evoke a worrying psychodynamic and that it is necessary to emphasize the importance of caring activities in socio-political discourses.