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Title
Drahtseilakt Geschäftsführerhaftung : Ist die aktuelle Normierung der Vertreterhaftung eine Lösung oder nur ein guter Ansatz?
Additional Titles
Balancing act of management liability Is the current standardization of representative's liability a solution or just a good approach?
AuthorFlock, Jasmin
Thesis advisorScheiblauer, Markus
Published2018
Date of SubmissionJune 2018
LanguageGerman
Document typeBachelor Thesis
Keywords (DE)Abgabenbehörde / Abgabenschuldner / Abgabenuneinbringlichkeit / AbgÄG 2012 / Abzugsverpflichtung / Angehörigenjudikatur / Ausfallshaftung / Ausschüttung / Außenwirkung / Auswahlermessen / BAO / Begünstigung / Billigkeit / Bundesabgabenordnung / De-facto Geschäftsführer / Direktvorschreibung / Einflussnahme / Einkünfte / Ermessen / Ermessensentscheidung / Ermittlungspflicht / Fahrlässigkeit / fremde Schuld / Fremdvergleich / Geschäftsführer / Geschäftsführerhaftung / Geschäftsführung / Gewinnausschüttung / Gläubigergleichbehandlung / Gleichbehandlungsgrundsatz / Haftung / Haftungsbescheid / Haftungsinanspruchnahme / Haftungsnorm / haftungsrelevant / Haftungstatbestand / Kapitalertragsteuer / Kapitalgesellschaft / Kapitalvermögen / Kausalität / KESt / KommStG / Mittelverwendung / Mitwirkungspflicht / Personenkreis / Pflichtverletzung / Rechtsvergleich / schuldhaft / Uneinbringlichkeit / verdeckte Ausschüttung / Vertreter / Vertreterhaftung / Vertreterstellung / Vertretungsbefugnis / Zweckmäßigkeit
Keywords (EN)tax authority / debtor / deduction obligation / contingent liability / distribution / visibility / selection discretion / equity / Federal Tax Code / de facto manager / influence / income / discretion / discretionary decision / duty to investigate / foreign guilt / arm's length / managing Director / management liability / Managing directors / profit distribution / Creditors equal treatment / Principle of equal treatment / liability / notice of liability / iability claims / liability standard / legal accountability / liability offense / Capital gains tax / corporation / capital assets / causality / iability claims / liability standard / legal accountability / liability offense / Capital gains tax / corporation / capital assets / causality
Restriction-Information
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Classification
Abstract (German)

Die Thematik der Vertreterhaftung als Ausfallshaftung nimmt unter anderem aufgrund der jährlich steigenden Zahl an Insolvenzeröffnungen bei Kapitalgesellschaften immer größere Bedeutung an. Hohe Steuerausfälle würden allein aufgrund häufig niedriger Insolvenzquoten das österreichische Steuervolumen schädigen. Um diesen Ausfall zu minimieren gibt es unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit einer Haftungsinanspruchnahme des Vertreters einer Kapitalgesellschaft. Diese Arbeit beschäftigt sich sowohl mit der Vertreterhaftung gem § 9 BAO, eingeschränkt auf den Geschäftsführer als Vertreter einer Kapitalgesellschaft, als auch mit der noch jungen Judikatur des § 9a BAO, die Haftungsmöglichkeit eines De-facto Geschäftsführers, ein nicht offizieller Machthaber, der die Geschäftsführung durch das Fädenziehen im Hintergrund innehat. Dies umfasst die Haftungsinanspruchnahmen im Falle einer Abgabenuneinbringlichkeit bei der Abgabenschuldnerin, der Kapitalgesellschaft, sofern diese mit Pflichtverletzungen des Vertreters in kausalem Zusammenhang steht.

Die Geschäftsführung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung innezuhaben bedarf es grundsätzlich die dafür notwendigen Kenntnisse in betriebswirtschaftlicher, juristischer und auch unternehmensspezifischer Hinsicht. Oftmals liegt die Vermutung nahe, Geschäftsführer verlassen sich rein auf ihre Kenntnisse letzteres. Bei genauerer Betrachtung ist die Geschäftsführung eine Aufgabe mit einer Reihe gesetzlicher Verpflichtungen wozu auch abgabenrechtliche Pflichten zählen. Diese reichen von Abgabenentrichtung aus vorhandenen finanziellen Mitteln und Gläubigergleichbehandlung über die Führung gesetzlicher Aufzeichnungen bis zur zeitgerechten Einreichung von Abgabenerklärungen.

Personen, die formal nicht zur Geschäftsführung bestellt sind, aber die tatsächliche Geschäftsführung innehaben oder entsprechenden Einfluss auf die handelsrechtliche Geschäftsführung nehmen, sind keine Vertreter im Rahmen des § 80 Abs 1 BAO und konnten bis zum Inkrafttreten des AbgÄG 2012 nicht zur Vertreterhaftung herangezogen werden. Diese Lücke sollte mit der Neugestaltung der Norm des § 9a BAO geschlossen und als Erweiterung des § 9 BAO eingeführt werden. Diese neu geschaffene Bestimmung wurde als Grundstein der Haftungsmöglichkeit für De-facto Geschäftsführer indiziert. Haftungen beider Normen sind Möglichkeiten der sogenannten Ausfallshaftung, in der die Einbringung bei der Gesellschaft, der Primärschuldnerin, nicht mehr möglich ist.

Die Kernfrage lautet: Ist die inhaltliche Gestaltung und Formulierung der noch recht jungen Normierung bereits so ausgereift, dass sie keine Fragen offenlässt und in der Praxis einfach umzusetzen ist? Und wie bereiten Ermessensentscheidungen in Zuge dieser Thematik Probleme?

Denn einer Haftungsinanspruchnahme liegt eine Ermessensentscheidung gem § 20 BAO zugrunde. Diese wird nach Billigkeit und Zweckmäßigkeit getroffen und ist nach Lage des Einzelfalles nur innerhalb der vom Gesetz gezogenen Grenzen möglich.

Ein weiterer Teil der Arbeit befasst sich mit der Thematik der Vorschreibung der KESt bei verdeckten Ausschüttungen.

In der Vergangenheit gab es unterschiedliche Ansichten seitens der Finanzverwaltung, des BFG und schlussendlich auch des VwGH hinsichtlich einer zwingenden Haftungsinanspruchnahme der ausschüttenden Gesellschaft oder einer Direktvorschreibung beim empfangenden Gesellschafter.

§ 95 EStG 1988 regelt den Zusammenhang Steuerschuld, Abzugsverpflichtung und Haftung. Steuerschuldner und wirtschaftlicher Träger der KESt ist der Empfänger der Kapitalerträge, die Abzugsverpflichtung trifft die auszahlende Stelle, somit die Gesellschaft. Bei fehlender Berechnung, Einbehaltung und Abfuhr der KESt wird die Haftung ausgelöst und mittels Haftungsbescheid im Rahmen eines Gesamtschuldverhältnisses gem § 7 BAO geltend gemacht. Oder kann sie in bestimmten Fällen direkt dem Empfänger der verdeckten Ausschüttung vorgeschrieben werden?

Der VwGH hat sich vor dem StRefG 2015/2016 mit dieser Thematik befasst und lieferte mit zwei Erkenntnissen, mit der klaren Aussage, die KESt ist in erster Linie dem Abzugsverpflichteten mittels Haftungsbescheid vorzuschreiben, eine Grundlage zur Änderung im Zuge des StRefG 2015/2016.

Abstract (English)

The issue of representative liability as default liability is becoming increasingly important, among other things due to the increasing number of bankruptcies in capital companies. High tax losses would damage Austria's tax base simply because of frequently low insolvency rates. To minimize this loss, there is the possibility of a liability claim of the representative of a corporation in certain circumstances. The thesis deals with the representative liability according to § 9 BAO, limited to the managing directors as a representative of a capital company, as well as the still recent case law of § 9a BAO, the liability of a “de-facto-managing director”, an unofficial ruler, who pulls the thread in the background. This includes the use of liability in the event of a tax incapacity by the capital company if this is causally related to breaches of duty of the representative.

The management of a limited liability company basically requires the necessary knowledge in business, legal and company specific respects. Often, the assumption comes close, managers rely purely on their knowledge of the latter one. On closer inspection, the management is a task with several legal obligations including duties under tax law. These range from the payment of funds from existing financial resources and creditor equal treatment to the management of legal records to the timely submission of tax declarations.

Persons who are not formally appointed to manage the company but hold the actual management or have a corresponding influence on the commercial law management are not representatives within the meaning of § 80 Abs 1 BAO. They could not be used as representatives of the company until the entry into force of the AbgÄG 2012. This gap should be closed with the redesign of the standard of § 9a BAO and introduced as an extension of § 9 BAO. This newly created provision was indexed as the cornerstone of liability for de facto CEOs. Liability of both standards are possibilities of so-called default liability, in which the contribution to society, the primary debtor, is no longer possible.

The key question is: Is the content design and formulation of the relatively young standardization already so mature that it leaves no questions unanswered and can be easily implemented in practice? And are discretionary decisions related to this issue causing problems?

A liability claim is based on a discretionary decision pursuant to § 20 BAO. This is made based on equity and expediency and is possible according to the individual case only within the limits set by law.

Another part of the thesis deals with the subject of the prescription of the KESt for hidden distributions.

In the past there were different views on the part of the tax authorities, the BFG and finally also the VwGH regarding a mandatory liability claim of the distributing company or a direct provision to the receiving shareholder.

§ 95 EStG 1988 regulates the relationship tax liability, deduction obligation and liability. Tax debtor and economic operator of the KESt is the recipient of the investment income. the deduction obligation applies to the paying agent, hence the company. In the case of missing calculation, withholding and removal of the KESt, the liability is triggered and asserted by means of a liability notice in the context of a total obligation according to

§ 7 BAO. Or can it be prescribed directly to the recipient of the hidden distribution in certain cases?

The VwGH dealt with this topic before the StRefG 2015/2016. He delivered with two findings, with the clear statement that the KESt is primarily to oblige the deductible by means of a liability notice, a basis for amendment during the StRefG 2015/2016.