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Title
Tötungsdelikte in familiären Beziehungen in Niederösterreich - Veränderungen betreffend Anzahl, TäterIn, Opfer und Tatumstände von 1993 bis 2015
Additional Titles
Killing offences in family relations in Lower Austria - changes concerning number, perpetrators, victims and circumstances between 1993 and 2015
AuthorFellner, Hannes
Thesis advisorMayer, Stefanie ; Celec, Andreas
Published2018
Date of SubmissionJune 2018
LanguageGerman
Document typeBachelor Thesis
Keywords (DE)Beziehungsmord / Risikofaktoren / Tötungsdelikt / Niederösterreich / Polizei / Kategorisierung / Prävention
Keywords (EN)relationship murder / risk factors / homicid / Lower Austria / Police / categorization / prevention
Restriction-Information
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Classification
Abstract (German)

Diese Arbeit untersucht Veränderungen bei Tötungsdelikten in familiären, häuslichen Beziehungen und erörtert ob die polizeilichen Wegweisungen und Betretungsverbote im Sinne des Gewaltschutzgesetzes Wirkung zeigen.

Sämtliche in den Jahren von 1993 bis 2015 vom Landeskriminalamt Niederösterreich bearbeiteten Beziehungsmordakte dienten als Datengrundlage. Sie wurden personenbezogen ausgewertet, die TäterInnen, Opfer und Tathandlungen anhand einer Matrix kategorisiert und auf mögliche Veränderungen untersucht.

Die Auswertungen ergaben, dass Frauen einem viel höheren Risiko ausgesetzt sind Opfer eines Beziehungsmordes zu werden als Männer oder Kinder. Dabei sind in Beziehungskrisen und Trennungsphasen übermäßiger Alkoholkonsum, psychische Erkrankungen, Arbeitslosigkeit, Frühpensionierungen oder bereits polizeilich und gerichtlich registriertes Aggressions- und Gewaltpotential typische Merkmale eines Täters, bzw. einer Täterin.

Von den 100 untersuchten Beziehungsmorden über den Zeitraum von 23 Jahren sind in 51 Fällen keine Beweise einer länger andauernden Gewaltbeziehung dokumentiert. Signifikant ist dabei die Entwicklung des polizeilichen Informationsstandes zur Vorgeschichte der Tötungsdelikte. Waren in den frühen 90er Jahren noch 42 % der TäterInnen schon vor dem Mord als gewalttätig amtsbekannt, sank dieser Wert zwischen 2013 und 2015 auf 6 %, während in 94 % der Morde der Polizei vorab keine Informationen vorlagen, welche Anlass zu gewaltpräventiven Maßnahmen gegeben hätten.

Es kann von dem Schluss ausgegangen werden, dass die in den Jahren mehr und konsequent verfügten Betretungsverbote potentielle Mordopfer schützt und daher Tötungsdelikte im Dunkelfeld der Gewalt letztlich häufiger eskalieren. Andererseits zeigt die Studie den gesunkenen Informationsfluss zu Schutzeinrichtungen oder zur Polizei.

Eine enge Informationsvernetzung verbunden mit erweiterten Melde- oder Dokumentationsverpflichtungen bei Sicherheits-, und Gesundheitsbehörden könnten im Vorfeld von Beziehungsmorden Risikofaktoren frühzeitig aufhellen, um dem Opfer erweiterten Schutz zu gewähren. Gebündelte Informationen führten beispielsweise zur rechtzeitigen Abnahme von Waffen oder gefährlichen Gegenständen, zur Sicherung ärztlicher Betreuung oder zur psychisch-sozialen Begleitung der potentiellen TäterInnen.

Auf diesen Erkenntnissen gestützt sind vertiefende Studien zu Umständen der gewaltbegleitenden Paar-Beziehungen möglich, um weitere wissenschaftliche Erkenntnisse zu erzielen.

Abstract (English)

This paper examines changes in homicides in family and domestic relationships and discusses whether the police evacuation orders and restraining orders in the sense of the Violence Protection Act are effective.

All in the years 1993 to 2015 of the State Criminal Police Office of Lower Austria processed relationship murder file served as data basis. They were evaluated on a personal basis, the perpetrators, victims and actions are categorized using a matrix and examined for possible changes.

The evaluations showed that women are at much higher risk of becoming victims of relationship homicide than men or children. In relationship crises and phases of separation, excessive alcohol consumption, mental illness, unemployment, early retirements or already recorded police and judicially registered aggression and violence are typical characteristics of a perpetrator.

Of the 100 relationship murders investigated over the 23-year period, 51 have documented no evidence of prolonged violence. Significant here is the development of police information on the history of homicides. While in the early 1990s 42% of the perpetrators were already known as violent before the murder, this value dropped to 6% between 2013 and 2015, while in 94% of police killings there was no prior information that would have given rise to violence prevention measures. It can be assumed that the prohibitions on entry more and more consistently in the years protect potential murder victims, and that in the final analysis, homicides in the dark field of violence increasingly escalate. On the other hand, the study shows the reduced flow of information to guards or the police.

Close information networking combined with extended reporting or documentation obligations at safety and health authorities could elucidate risk factors in advance of relative` s murder in order to provide extended protection for the victim. Bundled information led, for example, to the timely seizing of weapons or dangerous objects, to securing medical care or to the psychological-social support of potential perpetrators.

Based on these findings, in-depth studies of the circumstances of the couple's persecution-related relationships are possible in order to gain further scientific knowledge.