Titelaufnahme

Titel
Reizdarmsyndrom bei Personen im Erwachsenenalter aus komplementärmedizinischer Perspektive, : ein Thema für die Physiotherapie
Weitere Titel
Irritable bowel syndrome in adults from the perspective of complementary and alternative medicine, a topic for physiotherapy
AutorInnenCzigler, Réka
GutachterBucher, Harriet
Erschienen2018
Datum der AbgabeJuni 2018
SpracheDeutsch
DokumenttypBachelorarbeit
Zugriffsbeschränkung
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Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Kontext: Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist ein zur Chronifizierung neigenden, multidimensionalen, funktionellen gastrointestinalen Störung und schränkt oft die Lebensqualität der Patient*innen stark ein (Braun und Müller-Wieland, 2013, S.525). Die ersten hinweisgebenden Beschwerden beginnen oft im dritten Lebensjahrzehnt. Der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr (Braun und Müller-Wieland, 2013, S.525).

In den 1960er-Jahren bestand die Behandlung aus rein medikamentöser Therapie (Beer et al., 2008, S.27). Aktuell werden RDS-Symptome ergänzend zur ärztlichen Therapie mittels Ernährung, Psychotherapie, Entspannungstechnik und Körperarbeit behandelt, da die interdisziplinäre Behandlung eine effektivere Linderung der Symptome zeigt (ebd. S.27f.; AWMF, 2011, S.260). Die unterschiedlichen Therapieansätze sind nicht als alternativ zu verstehen, sondern bilden bausatzartig die „Basis für ein multimodales Therapiekonzept bei RDS“ (Beer et al., 2008, S.27).

Viele Patient*innen entscheiden sich für eine Form von CAM-Therapien ergänzend ärztlichen Therapie, weil die aktuelle medikamentöse Therapie oft unzureichende Linderung der RDS bietet (Grundmann und Yoon, 2014).

Eine einheitliche Ursache des RDS ist bisher nicht gefunden worden. (Grundmann und Yoon 2014). Innerhalb des letzten Jahrzehnts erhärtete sich die Beweislage, die das RDS als eine bidirektionale multisymptomatische Störung der Gehirn-Darm-Kommunikation unterstützt (Coss-Adame und Rao, 2014). Das Gehirn und das enterische Nervensystem kommunizieren über das autonome Nervensystem (ANS) und die Hypothalamus-Hypophysen-Darm-Achse. Diese Kommunikation ermöglicht es dem Gehirn die Darmfunktion (top-down) und umgekehrt durch die Stimulation von Rezeptoren im Darm das Gehirn, die zentrale Verarbeitung (bottom-up), zu beeinflussen (ebd., Taylor et al, 2010). Diese wechselseitige Signalübertragung kann zu einer Dysregulation des ANS führen, die eine wichtige Rolle in der Pathophysiologie des RDS spielen kann (ebd.).

Aufgrund von der oben erläuterten Pathophysiologie des RDS kann die Verwendung von BMT als CAM-Behandlung Vorteile bei der Linderung der Symptome bieten (Coss-Adame und Rao, 2014; Grundmann und Yoon, 2014). BMT ist eine Intervention, die sich primär auf die Interaktionen zwischen Gehirn, Geist, Körper und Verhalten konzentriert. Im Sinne eines Top-Down-Mechanismus hat sie die Absicht den Geist zu nutzen, um das körperliche Funktionieren zu beeinflussen und die Gesundheit zu fördern (ebd.)

Manuelle Techniken der CAM nutzen die Bottom-up Mechanismen (Coss-Adame und Rao, 2014, Taylor et al., 2010). Durch die Stimulation von verschiedenen Viszero-, Somato- und Chemorezeptoren kommt es zu einer Beeinflussung der Verarbeitung im zentralen Nervensystem und damit zu einer Steigerung der geistigen Aktivität (ebd. S.4). Diese zwei Therapieformen haben ebenfalls hohe Evidenzlage in der physiotherapeutischen Behandlung von RDS bewiesen.

Ziel: Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, die Evidenzlage zu komplementärmedizinischen Behandlungsmaßnahmen der Symptome des RDS bei Personen im Erwachsenenalter darzustellen und deren Relevanz für die Physiotherapie zu überprüfen.

Aus diesem Grund lautet die zentrale Fragestellung: Wie ist die Evidenzlage zu komplementärmedizinischen Behandlungsmaßnahmen von RDS-Symptomen bei Personen im Erwachsenenalter, die als physiotherapeutisch relevant klassifiziert werden können?

Weitere Unterfrage soll sein:

Welche komplementärmedizinischen Ansätze können unter Anwendung der unten genannten Auswahlkriterien als physiotherapeutisch relevant klassifiziert werden?

Auswahlkriterien:

1.) Die Methode soll zu den rechtlich abgesicherten physiotherapeutischen Kompetenzen gehören.

2.) Für die Anwendung der Methode soll keine zusätzliche mehrjährige Ausbildung nötig sein, allenfalls eine Weiterbildung.

Als Resultat der Klassifizierung der physiotherapeutisch relevanten komplementärmedizinischen Behandlungsmethoden der RDS werden die folgenden komplementärmedizinischen Methode nach ihre Evidenzlage untersucht: die Body-Mind-Therapieformen (Yoga, Tai Chi und Qigong, Progressive Muskelrelaxation), die Manuelle Techniken (Akupressur, Traditionelle Chinesische Wirbelmanipulation, Tuina, Shiatsu, Fuß-Reflex-Massage) und die alternative Bewegungskonzepten (Feldenkrais, Pilates).

Methodik: Zwischen Aug 2017 und Dec 2017 wurde eine Literaturrecherche in den Datenbanken Pubmed, Pedro, Cochrane und Google scholar durchgeführt. Suchbegriffe waren „Yoga“, „Tai Chi“, „Qigong“, „Progressive Muscle Relaxation“, „Accupressure“, „Tuina“, „Shiatsu“, „Footreflexmassage“, „TCSOM“, „Feldenkrais“, „Pilates“ in Kombination mit dem Begriff „„Irritable Bowel Syndrome“.

Hauptergebnisse: Signifikante Ergebnisse für die Behandlung des RDS lieferten die folgenden Body-Mind-Techniken: Yoga, Tai-Chi, Qigong, und Progressive Entspannungstechniken. Von den manuellen Techniken der CAM zeigten die TCSOM und die Fu