Bibliographic Metadata

Title
Fäkale Inkontinenz bei Patient*innen mit spinalen Lä-sionen – aktuelle konservative Therapiemöglichkeiten
Additional Titles
Fecal incontinence in patients with spinal lesions - current conservative therapeutic options
AuthorFurian, Sandra
Thesis advisorStelzhammer, Christine
Published2018
Date of SubmissionJune 2018
LanguageGerman
Document typeBachelor Thesis
Restriction-Information
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Classification
Abstract (German)

In den USA gab es 2013 ungefähr 273.000 Menschen mit Querschnittläsionen (QSL). Alleine in einem Jahr wurden 12.000 neue Fälle von Rückenmarksverletzungen gezählt, die meist auf traumatischen Ursachen beruhen. Bei 39% dieser Patient*innen mit Rückenmarksverletzungen treten gastrointestinale Symptome auf, wie FI und Verstopfungen (Pan et al., 2014, p. 1f.).

Die Autorin Geng (2012, p. 135, p. 138) beschreibt eine stark beeinträchtigte Darmentleerung bei Patient*innen mit Rückenmarksverletzungen. Dies belastet vor allem die Lebensqualität sowie soziale Kontakte. Ein entsprechendes Darmmanagement soll die Betroffenen unterstützen ihre Selbstständigkeit wiederzuerlangen.

Nach Eintritt der QSL sind die Patient*innen in der Phase des spinalen Schocks, welcher bis zu 6 Wochen anhalten kann und eine Lähmung der glatten Mastdarmmuskulatur verursacht. Daraus resultiert der ungewollte Verlust des Darminhaltes. Je länger die Phase andauert desto ungünstiger ist die Prognose bezüglich der motorischen Erholung (Nacimiento et al., 2004, p. 234).

Im Zuge der motorischen Erholung kommt es zum Wiedererlangen der Reflexaktivität unterhalb der Läsion (Ebenbichler & Kern, 2013, p. 424).

Die Phase der Autonomie startet nachdem der spinale Schock überwunden ist. In dieser Phase ist das enterale Nervensystem (ENS), welches die Funktion des Darms steuert, überwiegend unbeeinträchtigt (Geng, 2012, p. 136, p. 138).

Ein relevanter Punkt zeigt sich in der Diversifikation der zu wählenden Behandlungsform, je nach Ausprägung der QSL. Teile der angeführten Literatur beleuchten diesen Punkt unzureichend, die Präzision in Bezug auf Unterschiede bei kompletter bzw. inkompletter QSL wäre ein wichtiger Beitrag zur Qualitätssicherung.

Klarheit besteht allerdings bezüglich der unterschiedlichen Auswirkungen je nach Läsionshöhe. Erfolgte die Läsion oberhalb des siebten Thoraxsegments (T7) kommt es zur Obstipation und die Bauchmuskulatur ist beeinträchtigt. Die pathophysiologischen Mechanismen der Obstipation kennzeichnen sich durch eine Verzögerung der Kolon-Transitzeit, schwache abdominelle Muskeln, eine Störung der Defäkation sowie einer Verminderung der Rektalsensibilität. Dem Gegenüber bleibt die Bauchmuskulatur bei einer Läsion unterhalb T7 generell erhalten und es kommt zur Stuhlinkontinenz. Die FI lässt sich mit der Beeinträchtigung der Kontraktion des M. sphincter ani externus (EAS), ungehemmten Rektumkontraktionen und einer gestörten Rektalsensibilität beschreiben (Vallés & Mearin, 2009, p. 1595f.).

Im Bereich der Physiotherapie werden unter anderem Patient*innen mit Inkontinenz behandelt. Der/Die Therapeut*in versucht mit Hilfe von konservativen Methoden Einfluss auf das Beschwerdebild zu nehmen. Ziel der vorliegenden sowie der darauf aufbauenden Arbeit ist es, aktuelle konservative Therapiemöglichkeiten, insbesondere physiotherapeutische Ansätze, im Bereich der FI bei Patient*innen mit spinalen Läsionen darzustellen. In der ersten Arbeit soll überprüft werden, welche Therapiemöglichkeiten aktuell im Einsatz sind, während sich die zweite Arbeit mit der Evidenz der Effektivität der angegebenen Maßnahmen beschäftigt. Die physiotherapeutische Relevanz der beiden Beträge ist es den aktuellen Wissenstand zu erheben und das bestmögliche Therapieangebot darzustellen.

Daraus ergibt sich folgende Fragestellung:

Welche physiotherapeutischen Maßnahmen sind zur Verbesserung von fäkaler Inkontinenz bei Rückenmarksverletzungen unterhalb T7 im Einsatz und wie gestaltet sich die Evidenzlage in diesem Bereich?