Titelaufnahme

Titel
Der Effekt von Krafttraining auf die Muskelkraft und die Gehstrecke bei Personen nach einem Schlaganfall - Eine Literaturarbeit
Weitere Titel
The effect of strength training on muscle strength and walking distance for persons with stroke - A literature review
AutorInnenHochholzer, Teresa Anna
GutachterGreisberger, Andrea
Erschienen2018
Datum der AbgabeJuni 2018
SpracheDeutsch
DokumenttypBachelorarbeit
Zugriffsbeschränkung
 _
Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Die vorliegende Literaturarbeit stellt eine Einführung zum Thema Effekt von Krafttraining auf die Muskelkraft und die Gehstrecke bei Personen nach einem Schlaganfall dar. Dazu werden relevante Begriffe definiert, um das Themengebiet klar einzugrenzen.

Der Schlaganfall (SA) kann entweder als ischämischer SA oder als hämorrhagischer SA auftreten. Beide Formen führen zum Zelluntergang im Schädigungsgebiet des Gehirns. Je nach Lokalisation treten unterschiedliche Symptome auf. Diese Bachelorarbeit fokussiert sich auf die durch einen SA bedingten Veränderungen in der Muskulatur. Aufgrund der Schädigung des ersten motorischen Neurons (UMNS) im zentralen Nervensystem ist die Innervationsfähigkeit beeinträchtigt oder gänzlich fehlend. Diese Störung zeigt sich in einem Kraftdefizit der betroffenen Muskulatur (va des Kniestreckers M. quadriceps), welches vor allem beim Gangbild sichtbar wird. Gehen ist ein entscheidendes Kriterium für die Lebensqualität. Die Verlängerung der Gehstrecke ist das am häufigsten angegebene Ziel bei Personen nach einem SA und kann über Krafttraining mit Schwerpunkt auf die Kraftausdauer erzielt werden.

Die Neurorehabilitation zielt darauf ab, Kraftdefizite über unterschiedliche Krafttrainingsformen aufzuheben. In der Behandlung von Personen nach einem SA liegt der Schwerpunkt auf dem Bereich der Kraftausdauer, der Schnellkraft und auf funktionellem, taskorientiertem Training. Die für diese Bachelorarbeit relevante Krafttrainingsmethode lautet progressives Widerstandstraining (PWT). Der Begriff progressiv deutet in diesem Zusammenhang auf eine Veränderung des Trainings im Zeitverlauf hin. Durch diese Adaptierungen soll jene Trainingsintensität gefunden werden, welche am besten dem derzeitigen Trainingszustand des Patienten/der Patientin angepasst ist.

Die Forschung beim Schlaganfall ist durch dessen mannigfaltige Ausprägung noch nicht so wissenschaftlich erforscht wie zB bei Multipler Sklerose oder Parkinson. Physiotherapeut*innen, tätig im Bereich der Neurologie, vertreten unterschiedliche Auffassungen zum Thema, ob Krafttraining bei Patient*innen mit Schlaganfall angewendet werden soll. Laut derzeitigem Wissensstand wird progressives Widerstandstraining in der Rehabilitation von Schlaganfallpatient*innen nicht umgesetzt. In der Vergangenheit rieten Expert*innen sogar davon ab, da die durch Krafttraining erzielte physiologische Tonussteigerung in der Muskulatur den ohnehin schon spastischen Muskel schädige. Dieser Glaube konnte durch zahlreiche aktuelle Studien widerlegt werden.

Die vorliegende nicht-empirische, wissenschaftliche Literaturarbeit hat eine systematische Literatursuche als methodischen Zugang zur Grundlage. Das heißt, es werden drei Datenbanken (PubMed, PEDro und Google Scholar) herangezogen und Studien anhand folgender Kriterien für die Arbeit eingeschlossen: Es wird nach randomisierten kontrollierten Studien (RCT) bzw. kontrollierten klinischen Studien (CCT) im Volltext in deutscher oder englischer Sprache gesucht. Die Studienteilnehmer*innen müssen einen diagnostizierten SA im chronischen Krankheitsstadium (> sechs Monate) aufweisen und gehfähig sein. Die Intervention muss dem PWT entsprechen (inkl. einer Angabe der Trainingsparameter und der Steigerungsform). Die Muskelkraft und Gehstecke müssen mit objektiven Messparametern (zB 1-RM, 6MWD,…) ermittelt worden sein sowie vor und nach dem Interventionszeitraum gemessen worden sein.

Dadurch soll es möglich sein, Studien zu finden, die folgende Forschungsfrage beantworten können: Welchen Effekt hat progressives Widerstandstraining auf die Muskelkraft und die Gehstrecke bei Patient*innen nach einem Schlaganfall? Die Analyse und Diskussion der Ergebnisse der eingeschlossenen Studien sollen den hier aufbereiteten Wissensstand zum Krafttraining als Therapieform bei Schlaganfall ergänzen.

Der SA stellt bereits die dritthäufigste Todesursache in Österreich dar. Die Zahl der Betroffenen liegt bei 25.000 im Jahr. In der Neurorehabilitation tätige Physiotherapeut*innen stehen vor der Frage, ob Krafttraining bei der Behandlung von Patient*innen mit Schlaganfall als zusätzliche Intervention eingesetzt werden soll oder nicht. Die vorliegende Arbeit gibt eine Einführung zu diesem Thema.