Bibliographic Metadata

Title
Skapuladyskinesie - Ein aktueller Wissensstand
Additional Titles
Scapula Dyskinesis - The current scientific knowledge
AuthorKaufmann, Magdalena
Thesis advisorKlinger, Meike
Published2018
Date of SubmissionJune 2018
LanguageGerman
Document typeBachelor Thesis
Restriction-Information
 _
Classification
Abstract (German)

In dieser Bachelorarbeit wird der aktuelle Wissensstand in Bezug auf die Skapuladyskinesie zusammengefasst.

Die kinematische Interaktion zwischen Scapula und Humerus bezeichnet man als Skapulohumeraler Rhythmus. Er wird von der Bewegungsrichtung des Arms beeinflusst, sodass das Verhältnis der Bewegung der einzelnen Gelenkspartner nicht immer gleich ist (Crosbie et al., 2008). Bei jeglicher Kinematik der oberen Extremität führt die Skapula eine komplexe dreidimensionale Bewegung durch. Aufgrund der muskulären Stabilisierung ist eine hohe Mobilität in allen Ebenen gegeben. Die Skapula kann sowohl Translationsbewegungen nach kranial und kaudal am Thorax, als auch eine Retraktion und Protraktion durchführen (Kibler et al., 2006).

Eine Störung des skapulohumeralen Rhythmus wird als Skapuladyskinesie bezeichnet (Kibler et al., 2009). Diese kommt sowohl bei jungen Patienten und Patientinnen mit unspezifischem Schulterschmerz und auffallender Skapulabewegung, als auch bei gesunden, asymptomatischen Patienten und Patientinnen als individuelle Anpassung, vor (Nowotny et al., 2016).

Kibler et al. (2012) bezeichnen sie als eine unspezifische Reaktion der Skapula auf eine schmerzhafte Pathologie der Schulter.

Infolge einer Skapuladyskinesie „[…] verändern sich auch die biomechanischen Voraussetzungen für das Schultergelenk. So werden der subakromiale Raum, der Kraftarm von Muskeln, die Stellung des Glenoids und damit die Stabilität des Gelenks verändert.“ (Diemer & Sutor, 2010, p.107). Durch eine veränderte Position der Skapula kann es zu einer unphysiologischen Muskelaktivierung kommen, da sich Last- und Kraftarm umkehren (Diemer & Sutor, 2010).

Eine Form der Dyskinesie, „Scapular winging“, oder „Scapula alata“, wird von Dexel, et al. (2014) als eine Prominenz der Margo medialis bezeichnet, die oft aufgrund einer Schädigung des Nervus thoracicus longus oder einer Muskelschwäche auftritt.

Eine weitere Abweichung der Skapulastellung wird gerne mit dem Akronym „SICK“ bezeichnet (Scapular malposition, Inferior border prominence, Coracoid pain and malposition, DysKinesis of scapular movement) (Diemer & Sutor, 2010). Sie ist charakterisiert durch eine Kombination von zu wenig posteriorem Tilt, Außenrotation und Aufwärtsrotation (Diemer & Sutor, 2010).

2003 differenzierten und klassifizierten Kibler und McMullen die verschiedenen Arten der Skapuladyskinesie und teilten sie in drei Typen ein. Die Dysfunktion nach Typ I lässt sich anhand einer Prominenz des Angulus inferior der Scapula im Ruhezustand identifizieren. Typ II ist an einer Prominenz und an einem Abheben der Margo medialis scapulae erkennbar. Typ III der Skapuladyskinesie ist charakterisiert durch eine Prominenz des Angulus superior an der medialen Seite, welche durch eine superiore Translation entsteht.

Kibler & Sciascia (2013) nennen als Ursachen der Skapuladyskinesie sechs verschiedene Faktoren: neurologische Faktoren, Gelenkstörungen, knöcherne Ursachen, Inflexibilität, muskuläre Ursachen und Störungen der kinetischen Kette.

Laut einer Publikation von Burkhart et al. (2000) liegt eine Skapuladyskinesie bei 68 % der Patienten und Patientinnen mit Pathologien der Rotatorenmanschette, bei 94 % der Patienten und Patientinnen mit Labrumeinrissen, und bei 100 % der Patienten und Patientinnen mit glenohumeraler Instabilität vor.

Es wird kontrovers diskutiert, „[…] ob muskuläre Dysbalancen und koordinative Änderungen der skapulothorakalen Kinematik Ursache oder adaptive Folge der pathologischen Verletzungskaskade sind […].“ (Gokeler et al., 2004, p.199). Vielfach wird behauptet, dass ein propriozeptives Defizit der Grund für die Beeinträchtigung der Koordination nach Traumen sei (Gokeler et al., 2004).

Kibler et al. (2012) geben an, dass eine Skapuladyskinesie die Heilung bei Beschwerden und gleichzeitig vorhandenen Schulterpathologien behindern kann. Laut Dexel et al. (2013) bleibt die Beziehung von Ursache und Wirkung unklar, da auch andere Veränderungen wie neurologische Ursachen, Skoliose oder Instabilität der LWS eine Dyskinesie verursachen können.

„Bei Wurfsportlern ist die Skapuladyskinesie oft Teil eines Symptom- und Befundkomplexes mit Innenrotationsdefizit und Hyperlaxität.“ (Dexel et al., 2013, p.268).