Bibliographic Metadata

Title
Kinematische und kinetische Veränderungen im Sprung- und Kniegelenk beim Gehen mit High Heels
Additional Titles
Kinematic and kinetic changes in the ankle and knee joint when walking with high heels
AuthorKuttner, Michèle
Thesis advisorWolf, Brigitte
Published2018
Date of SubmissionJune 2018
LanguageGerman
Document typeBachelor Thesis
Restriction-Information
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Classification
Abstract (German)

1. Einleitung

1.1 Problemaufriss

Dass High Heels aus den Schuhschränken vieler Frauen nicht wegzudenken sind, zeigt eine Umfrage der American Podiatric Medical Association (APMA) aus dem Jahr 2014. Demnach besitzen 49 % der befragten Frauen High Heels, durchschnittlich neun Paar davon. 71 % der Befragten gaben an, Schmerzen beim Tragen von High Heels zu verspüren (APMA, 2014).

Kim et al. (2013) berichten, dass das regelmäßige Tragen von High Heels zu negativen Anpassungen im Sprunggelenk führt. Hierzu zählen beispielsweise die Veränderungen des muskuloskelettalen Systems sowie kinetische und kinematische Anpassungen beim Gehen.

Weiters wird durch die hohen Absätze das obere Sprunggelenk in Plantarflexion eingestellt. Dadurch fehlt die Neutralnullstellung bei Initial Contact sowie Loading Response und verhindert das Abrollen über den Heel Rocker. Somit ist die Stoßdämpfung bei der Gewichtsübernahme nicht mehr gewährleistet und muss von anderen Gelenken ausgeglichen werden. Laut Mika et al. (2012) erfolgt die Kompensation durch erhöhte Flexion im Kniegelenk beim Initial Contact, um die einwirkende Bodenreaktionskraft zu dämpfen.

Eine erhöhte Flexion im Kniegelenk bedeutet gleichzeitig ein erhöhtes Extensionsdrehmoment, was wiederum einen Anstieg der Aktivität des M. quadriceps femoris zur Folge hat. Dadurch erhöht sich der Anpressdruck der Patellasehne auf das patellofemorale Gelenk. Diese Belastung kann die Degeneration des Gelenks fördern, berichten Kerrigan et al. (1998).

Barkema et al. (2012) sowie Ho et al. (2012) haben den Zusammenhang zwischen dem Tragen von High Heels und dem Entstehen von Pathologien, beispielsweise dem patellofemoralen Schmerzsyndrom oder Gelenksdegenerationen, untersucht und konnten einen Zusammenhang herleiten.

Darum wird in dieser Arbeit folgende Fragestellung untersucht: Wie wirkt sich das Gehen mit High Heels im Vergleich zu Gehen mit flachen Schuhen auf die Kinematik und Kinetik des Sprung- und Kniegelenks in den Gangphasen Initial Contact und Loading Response aus?

1.2 Physiotherapeutische Relevanz

High Heels bringen eine Veränderung des Gangbildes mit sich. Dazu zählen beispielsweise die veränderte Range of Motion der Gelenke als auch die einwirkenden Drehmomente (Esenyel et al. 2003).

Diese Faktoren können zu Degenerationen in Gelenken, Überbeanspruchung sowie Verkürzungen der Muskeln und passiven Strukturen der unteren Extremität und zu Schmerzen führen (Barkema et al., 2012; Csapo et al., 2010; Mika et al., 2012). Weiters kann die Entstehung eines patellofemoralen Schmerzsyndroms gefördert werden (Barkema et al., 2012; Ho et al., 2012).

Gerade PhysiotherapeutInnen sind ExpertInnen für Bewegung und können etwaige Abweichungen des physiologischen Gangbildes erkennen und analysieren.

Dabei ist es wichtig zu verstehen, wie das Tragen von High-Heels den Gang beeinflusst bzw. verändert und welche Gelenke hierbei eine Rolle spielen, um mit entsprechenden Maßnahmen dem Entstehen etwaiger Pathologien vorzubeugen. Bei bereits bestehenden Problematiken und Schmerzen sollen PhysiotherapeutInnen die Patientinnen mit evidenz-basiertem Wissen entsprechend beraten, um die Gefahr des Fortschreitens der Pathologie zu reduzieren.

1.3 Ziele der Bachelorarbeit

Das Ziel dieser Arbeit ist herauszufinden, ob das Gehen mit High Heels das Gangbild, vor allem in den Phasen der Gewichtsübernahme Initial Contact und Loading Response, verändert und ob diese Veränderungen das Entstehen von Pathologien fördern können.

Die Erkenntnisse dieser Arbeit sind insofern relevant, als dadurch vor allem Patientinnen mit bereits bestehenden Beschwerden an der unteren Extremität bei der Wahl des Schuhwerks beraten werden können und gegebenenfalls die Absatzhöhe erörtert werden kann.

In der vorliegenden Bachelorarbeit soll der aktuelle Wissensstand über kinetische und kinematische Veränderungen zusammengefasst werden, um Patientinnen mit evidenzbasiertem Wissen entsprechend beraten zu können.