Titelaufnahme

Titel
Graded Motor Imagery in der Physiotherapie bei PatientInnen mit komplexem regionalem Schmerzsyndrom Typ I: Theoretische Grundlagen
Weitere Titel
Graded Motor Imagery in physiotherapy of patients with complex regional pain syndrome type I: theoretical principles
AutorInnenLutz, Sarah
GutachterEder, Gerhard
Erschienen2018
Datum der AbgabeJuni 2018
SpracheDeutsch
DokumenttypBachelorarbeit
Zugriffsbeschränkung
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Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Problemaufriss

Das komplexe regionale Schmerzsyndrom Typ I (CRPS I) ist charakterisiert durch starke Schmerzen, Schwellung, autonome und motorische Störungen, ohne, dass dabei jedoch eine periphere Nervenschädigung vorliegt. PatientInnen mit einem CRPS I befinden sich in einer körperlich eingeschränkten und gleichzeitig psychisch sehr belastenden Situation - auch aus dem Grund, da es bis heute noch keine effektive Therapie dafür gibt. Es wurden viele verschiedene Therapieansätze entwickelt, da CRPS I ein weites Spektrum an Symptomen bietet und seine Pathophysiologie bis heute noch nicht vollständig geklärt werden konnte. (Daly & Bialocerkowski, 2008)

In der akuten Phase berichten PatientInnen vor allem über starke Schmerzen, begleitet von autonomen, trophischen und motorischen Störungen der betroffenen Extremität. Bei einer Vielzahl von PatientInnen kommt es zu keiner vollständigen Genesung. Das bedeutet ein Leben mit Langzeit-Beeinträchtigungen oder mit partieller bis kompletter Leistungsunfähigkeit, begleitet von täglichen Schmerzen und sensomotorischen Störungen - dass die Lebensqualität dadurch beeinflusst wird, ist naheliegend. (Van Velzen et al., 2014)

Als Ursache wurden verschiedene periphere und zentrale Veränderungen festgestellt, darunter werden veränderte kortikale Darstellungen von Wahrnehmung, Motorik und autonomen Systemen vermutet. Sollten solche kortikale Mechanismen hinter CRPS I stecken, wird angenommen, dass es sinnvoll wäre auch dort mit der Behandlung anzusetzen – „train the brain“. Ein derartiger Versuch stellt sich mit Graded Motor Imagery (GMI) dar, das auf die kortikale Reorganisation abzielt und mit dem es bereits gelungen ist, in einer relativ großen homogenen Patientengruppe mit CRPS I, Schmerzen zu lindern und die Funktion zu steigern. (Moseley, 2006)

Zentrale Fragestellung

Wie wirkt sich Graded Motor Imagery bei PatientInnen mit komplexem regionalem Schmerzsyndrom Typ I an der oberen Extremität auf den vier Ebenen der ICF aus?

Physiotherapeutische Relevanz

Die Inzidenz eines CRPS I beläuft sich nahezu konstant von 5,5 bis 26,2 pro 100.000 Menschen pro Jahr. Frauen sind drei bis vier Mal häufiger betroffen als Männer. (Van Velzen et al., 2014) Die höchste Inzidenzrate liegt zwischen dem 30. und 55. Lebensjahr, wobei alle anderen Altersgruppen, sogar Kinder, ebenfalls betroffen sein können. (Breier, 2013) Bruehl (2015) hält fest, dass ein CRPS I bei sieben Prozent der PatientInnen, die eine Fraktur oder eine Operation o.Ä. Verletzungen erlitten haben, auftritt.

Die klinischen Leitlinien für das komplexe regionale Schmerzsyndrom von 2014 empfehlen eine multidisziplinäre Behandlung, die medizinische, psychologische, ergo – und physiotherapeutische Interventionen einschließt. Es wird empfohlen den PatientInnen so rasch wie möglich Physiotherapie zu gewährleisten. Elektrotherapie (TENS), Bewegungstherapie, „pain exposure therapy“, Spiegeltherapie und auch Graded Motor Imagery (GMI) haben einen positiven Effekt auf die Symptome des CRPS Typ I. (Dutch Pain Society, 2014)

Da die Rolle des zentralen Nervensystems in der Pathophysiologie des CRPS I immer mehr in den Mittelpunkt rückt, werden Techniken, wie z.B. Graded Motor Imagery (GMI), das sich auf die zentralen Prozesse fokussiert, immer interessanter und wichtiger in der Physiotherapie. Man versucht mit rechts - links Diskrimination, Bewegungsvorstellungen und Spiegeltherapie die kortikalen Strukturen zu reorganisieren und sensomotorisch zu schulen und das alles ohne Schmerzen. (Johnson et al., 2012)

GMI könnte zudem den Start in die physiotherapeutische Rehabilitation erleichtern. PatientInnen, die so starke Schmerzen haben, dass keinerlei Bewegung möglich ist und keinerlei Berührung zugelassen wird, könnten somit, in Bezug auf Schmerz, auf ein Level gebracht werden, auf dem aktive Therapie möglich ist. Bewegungen können anfangs im Kopf durchgeführt werden, ohne sie mit der betroffenen Extremität durchzuführen. Es kommt so zu keinen zusätzlichen Schmerzen, aber es ist bewiesen, dass die entsprechenden Hirnareale dennoch aktiviert werden und der Körper schmerzfreie Bewegungserfahrungen machen kann. (Pollard, 2013)

Ziel der Arbeit

Als Ziel dieser Arbeit gilt es zu untersuchen, ob und welche evidenzbasierten Effekte das Graded Motor Imagery Programm bei Patienten mit CRPS I an der oberen Extremität bietet. Das Ziel der Bachelorarbeit 1 ist die Definition und Erklärung von zentralen Begriffen, die für das Verständnis der Bachelorarbeit 2 notwendig sind. In der Bachelorarbeit 2 wird versucht aufzuzeigen, wie das Graded Motor Imagery Programm in der Physiotherapie eingesetzt werden kann und welche möglichen Auswirkungen eine Therapie mit GMI auf die verschiedenen Ebenen der ICF hat. Ziel ist somit herauszufinden, ob und wie sich das Graded Motor Imagery Programm auf die Beschwerden, die Funktionsfähigkeit und allgemein auf das Leben von CRPS I PatientInnen auswirkt.