Titelaufnahme

Titel
Der Einfluss der geschlechtsspezifischen Schmerzempfindung auf den physiotherapeutischen Prozess
Weitere Titel
The influence of the gender-specific sensation of pain on the physiotherapeutic process
AutorInnenKropshofer, Mariella
GutachterBenczur-Juris, Sabine
Erschienen2018
Datum der AbgabeJuni 2018
SpracheDeutsch
DokumenttypBachelorarbeit
Zugriffsbeschränkung
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Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Es wurde im Jahr 1992 aufgedeckt, dass bei 45% der neurowissenschaftlichen Publikationen das Geschlecht der Proband/innen nicht bekannt gegeben wurde. Laut Schiltenwolf und Pogatzki-Zahn (2015) wird angenommen, dass vorwiegend Männer bei Studien herangezogen wurden. Sogar bei Forschungen mit Tierversuchen, stellte man fest, dass männliche Tiere vermutlich vermehrt untersucht wurden als weibliche (Schiltenwolf & Pogatzki-Zahn, 2015). Als Grund hierfür geben Schopper et al. (2012) eine schlechtere Reproduzierbarkeit der Ergebnisse aufgrund von hormonellen Schwankungen im Zyklus der Frauen, sowie potenzielle negative Auswirkungen auf eine mögliche Schwangerschaft an.

Die oben erwähnte Forschung von 1992 löste eine Reihe von weiteren Forschungen aus, die sich mit der Unterschiedlichkeit von Männern und Frauen in der Medizin beschäftigt haben (Schopper et al., 2012). Laut Schiltenwolf und Pogatzki Zahn (2015, S. 527) fehlt jedoch, vor allem im deutschsprachigen Raum, immer noch eine „nachhaltige genderbezogene Schmerzforschung“.

Schiltenwolf und Pogatzki-Zahn (2015, S. 569) beschreiben: „Was letztlich einen Zustand schmerzlich macht, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, ebenso wird unterschiedlich sein, was unter dem Begriff Schmerz übermittelt werden soll“. Ebenso gibt es Studien darüber, dass Sportler/innen, vor allem Ballsportler/innen, eine größere Schmerztoleranz haben, als Menschen, die sich nicht sportlich betätigen. Dies wurde unter anderem bei einer Studie belegt, bei der herausgefunden wurde, dass die Schmerztoleranz von Sportler/innen vergleichbar mit der Einnahme von starken Opiaten bei Akutschmerzen ist (Tesarz et al., 2014). Angesichts dieser Aussagen, ist anzunehmen, dass sich die Schmerzempfindung von Menschen wesentlich unterscheiden kann. Dabei stellt sich die Frage, ob die Kategorie des Geschlechts für das Verständnis der Schmerzempfindung einen für die Praxis relevanten Erklärungswert hat.

Aufgrund des aktuellen Forschungsstandes, der mittels Literaturrecherche erforscht wurde und in Kapitel 4 näher erläutert wird, liegt die Vermutung nahe, dass der Faktor Geschlecht, das physiologische sowie auch das soziokulturelle/soziale, einen wesentlichen Einfluss auf die Schmerzempfindung hat.

Laut Tielmann (2005) und Laubenthal et al. (2007) sind Schmerzen für viele Menschen einer der wichtigsten Beweggründe Physiotherapie in Anspruch zu nehmen. Daraus ergibt sich für Physiotherapeut/innen die Notwendigkeit ein tiefes, fundiertes und wissenschaftliches Verständnis von Schmerz zu entwickeln. Diese Arbeit soll zu diesem Verständnis in der Hinsicht einen Beitrag leisten, dass der Forschungsfrage nachgegangen wird, welchen Einfluss die geschlechtsspezifische Schmerzempfindung auf den physiotherapeutischen Prozess hat. Daraus ergaben sich folgende Unterfragen: Gibt es einen Unterschied in der geschlechtsspezifischen Schmerzwahrnehmung? Wie nehmen Physiotherapeut/innen diesen möglichen Unterschied wahr?