Titelaufnahme

Titel
Vaginal Seeding - Sinn oder Unsinn?
Weitere Titel
Vaginal Seeding
AutorInnenStampfl-Slupetzky, Veronika
GutachterKayer, Beate
Erschienen2018
Datum der AbgabeJuli 2018
SpracheDeutsch
DokumenttypBachelorarbeit
Schlagwörter (DE)Vaginal Seeding / Vaginalflora / Mikrobiom / Immunsystem / Kaiserschnitt / Sectio
Schlagwörter (EN)Vaginal seeding / Vaginal flora / Vaginal bacteria / Microbiome / Immune system / C(a)esarean section
Zugriffsbeschränkung
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Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Hintergrund

Der Fortschritt in der Kenntnis von Geburt, Geburtsvorgang und damit zusammenhängender mikrobiologischer Besiedlung des Neugeborenen erfordern ein Überdenken und Überprüfen bisheriger und neuer Handlungsweisen. Denn Ergebnisse zahlreicher Studien lassen einen Zusammenhang zwischen den weltweit gestiegenen Kaiserschnittraten und dem Anstieg von chronischen, asthmatischen, atopischen und anderen immunbezogenen Krankheiten erkennen. Die mikrobiologische Besiedelung des Menschen könnte demnach mit der Art der Entbindung zusammenhängen, da es sich bestätigt hat, dass Kaiserschnittgeburt einen Risikofaktor für Asthma, Allergien und andere Krankheiten darstellt.

Ziel

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Theorie und Praxis des „Vaginal Seedings“. Dabei wird dem per Kaiserschnitt geborenen Baby mit einer Art Tupfer, der zuvor eine Zeit lang in der Vagina seiner Mutter verblieben ist, Gesicht und Körper eingerieben. Die Idee ist, dem Neugeborenen damit mütterliche Vaginalflora zu übertragen, die die Keimbesiedelung positiv beeinflusst und die Entwicklung des Immunsystems stärkt.

Ziel der Arbeit ist es, mögliche Vor- und Nachteile dieser Methode herauszuarbeiten, aufgrund der (noch) beschränkten Forschungslage „Sinn und Unsinn“ von Vaginal Seeding zu diskutieren und eine Handlungsempfehlung für österreichische Hebammen zu deduzieren, sollten sie von werdenden Eltern wegen Vaginal Seeding konsultiert werden.

Methode

Um die Forschungsfrage zu beantworten, ob Vaginal Seeding nach Kaiserschnitt für das Neugeborene von Nutzen ist, da es dessen weitere gesundheitliche Entwicklung durch die apathogene Keimbesiedelung zur Förderung des Immunsystems unterstützt, wurde eine Literaturrecherche in den Datenbanken PubMed, CINAHL, NCBI und Cochrane Library durchgeführt, sowie nach Empfehlungen verschiedener Fachgesellschaften oder anderen relevanten Publikationen zum Thema gesucht, und ggf. diese nach Stahl bzw. AGREE II beurteilt.

Ergebnisse

Es existieren relevante Studien zur Bedeutung der mikrobiologischen Keimbesiedlung, zum Mikrobiom des Menschen und zu den möglichen Auswirkungen des Kaiserschnitts auf die gesundheitliche Entwicklung des Kindes. Mit Vaginal Seeding befasst sich konkret erst eine Studie, die eine Verbesserung der initialen Keimbesiedlung feststellt, allerdings ist diese Studie wegen der kleinen Teilnehmerzahl nicht repräsentativ und allgemein übertragbar. Es bedarf weiterer Forschung zu Nutzen und Sicherheit der, in dieser Arbeit als grundsätzlich sinnvoll und risikoarm beurteilten Methode. Als gesichert gelten in Bezug auf die apathogene Keimbesiedlung die Vorteile einer natürlichen Geburt und des Stillens, auch positive Auswirkungen von Pro- und Prebiotikagaben in Schwangerschaft und nach der Geburt wurden festgestellt.

Zusammenfassung (Englisch)

Background

Advances in knowledge of birth and related microbiological colonization of the newborn require re-thinking and reviewing past and new behaviors. The results of numerous studies show a correlation between the worldwide increase in caesarean rates and the increase of chronic, asthmatic, atopic and other immune-related diseases. The microbiological colonization of humans could therefore be related to the mode of delivery, as it has been confirmed that cesarean birth is a risk factor for asthma, allergies and other diseases.

Objective

This bachelor-thesis deals with theory and practice of "vaginal seeding", where the baby born by caesarean section is rubbed into the face and body with a kind of swab, which has previously remained in his mother's vagina for a while. The idea is to transfer maternal vaginal flora to the newborn, which has a positive effect on gut colonization and strengthens the development of the immune system. The aim of this work is to identify possible advantages and disadvantages of this method, to discuss "sense and nonsense" of vaginal seeding due to the (still) limited research situation, and to deduce a recommendation for vaginal seeding for Austrian midwives should they be asked by expectant parents.

Method

To answer whether vaginal seeding is useful for the neonatal after caesarean section, as it supports its further health development by the non-pathogenic germ colonization to promote the immune system, a literature research was carried out in the databases PubMed, CINAHL, NCBI and Cochrane Library, and a research for recommendations of various obstetrics societies or other important publications.

Results

There are relevant studies on the importance of microbiological bacterial colonization, the human microbiome, and the potential effects of Caesarian section on the child's health development. One study investigating the improvement of the initial bacterial colonization deals with vaginal seeding. It seems to be a useful and low risk method, but due to the small number of participants, this study is not representative and generally transferable. Further research is needed to prove the utility and safety of the method. The benefits regarding non-pathogenic bacterial colonization of natural childbirth and breastfeeding are considered to be certain. Positive effects of probiotics and prebiotics during pregnancy and after birth have also been identified.