Titelaufnahme

Titel
Strategisches Chancenmanagement: Bestandteil des Risikomanagements oder eigenständiges Managementsystem?
Weitere Titel
Strategic Chance Management: Element of Risk Management or Independent Management System?
AutorInnenWalter, Stefan
GutachterSchubiger, Ines ; Dorfner, Anna
Erschienen2019
Datum der AbgabeJanuar 2019
SpracheDeutsch
DokumenttypBachelorarbeit
Schlagwörter (DE)Chancenmanagement / Risikomanagement / Innovationsmanagement / Strategische Unternehmensführung
Schlagwörter (EN)Chance Management / Risk Management / Innovation Management / Strategic Management
Zugriffsbeschränkung
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Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Unternehmen sind in den letzten Jahrzehnten mit einer immer komplexer werdenden Umwelt konfrontiert. Dadurch ergibt es sich, dass es für Entscheidungsträger und handelnde Akteure immer schwieriger wird, in die Zukunft eines Unternehmens zu blicken. Mit der Identifikation und Bewältigung potentieller negativer Entwicklungen und Ereignisse beschäftigt sich die wirtschaftswissenschaftliche Disziplin des Risikomanagements. Doch nicht nur Risiken können sich durch die Komplexität der Unternehmensumwelt ergeben, sondern auch Chancen. Aufgrund aktueller Trends, die die Handhabung von Chancen dem Risikomanagement zuordnen, widmet sich die vorliegende Arbeit der Frage, ob sich ein Risikomanagementsystem eines Unternehmens dazu eignet, strategische Chancen zu identifizieren, zu bewerten und vor allem zu steuern.

Neben dem Vorsatz, praxisnahe und realistische Aussagen zum Forschungsgegenstand abzuleiten und neue Forschungsanreize zu schaffen, wird in der vorliegenden Arbeit auch das Ziel verfolgt, aktuelle Perspektiven und Prognosen über die Entwicklung des Chancenmanagements, abgekoppelt vom Risikomanagement, aufzuzeigen. Dafür soll eine hinreichende terminologische Abgrenzung beider Begriffe erfolgen und demonstriert werden, wo Chancen für Unternehmen entstehen und wie diese genützt werden können.

Der Theorierahmen dieser Arbeit wird durch die Systemtheorie, deren inhaltlich ergänzenden Ansätze und der präskriptiven und deskriptiven Entscheidungstheorie geformt. Durch deren Perspektiven ermöglicht sich einerseits eine einheitliche Betrachtung des Forschungsgegenstands und andererseits eine fundamentale Struktur zum Verständnis der Materie: Unternehmen, der Komplexität, derer sie ausgesetzt sind und die strategischen Entscheidungen, die sie unter diesem Aspekt treffen um ihre Ziele zu erreichen.

Anhand eines qualitativen Forschungsprozesses wird in dieser Arbeit ein empirischer Befund über die Eignung eines Risikomanagementsystems zur Handhabung von Chancen erhoben. Basierend auf dem Theorierahmen und dem Stand der Forschung wird zunächst ein alternatives Modell zur Identifikation, Bewertung und Steuerung von Chancen entwickelt, welches als Vergleichsinstrumentarium zum gängigen Risikomanagementprozess dient. Anschließend wird das weitere Vorgehen durch eine Vorab-Hypothese begleitet, die zur Klärung der Effektivität des Alternativmodells herangezogen wird. Die in der Hypothese als zentral erachteten Begriffe werden operationalisiert und damit ein Leitfaden für die qualitative Datenerhebung entwickelt. Im Rahmen dieser Arbeit werden insgesamt fünf Expertinnen und Experten, welche sich durch besondere Fachkenntnis auszeichnen, mithilfe dieses methodischen Werkzeugs befragt. Im Anschluss daran erfolgt eine qualitative Inhaltsanalyse, um die zentralen und gehaltvollsten Aussagen zu komprimieren.

Die Ergebnisse zeigen, dass eine Integration des Chancenmanagements in ein bestehendes Risikomanagementsystem eines Unternehmens von den Expertinnen und Experten als durchaus zweckmäßig erachtet wird. Jedoch ergeben sich neben dieser Feststellung eine Fülle von Gestaltungsansätzen für ein Chancenmanagementsystem, woraus sich interpretieren lässt, dass die Aufgaben und Tätigkeiten eines Chancenmanagementsystems nicht vollumfänglich mit den Methoden des Risikomanagements zu bewältigen sind. Dies wird besonders hinsichtlich des ausgangs in der Expertinnen- und Expertenmeinung festgestellten Chancenmanagementansatz begründet, der als holistisch oder intuitiv bezeichnet werden kann.

Zusammenfassung (Englisch)

Companies have been confronted with an increasingly complex environment in recent decades. As a result, it is becoming difficult for decision-makers and actors to investigate the future of a business. The economic discipline of risk management deals with the identification and coping with potential negative developments and events. But not only risks can result from the complexity of the business environment, chances take a big part as well. Based on current trends that associate the management of chances with risk management, the present thesis addresses the question of whether a company's risk management system is suitable for identifying, assessing and, above all, controlling strategic chances.

In addition to the intention to derive practical and realistic statements of the subject of chance management and to create new incentives for research, the goal of this thesis is also to point out current prognoses and perspectives about the development of chance management, separated from risk management. Therefore, a terminological distinction between the two terms “risk and chance” shall be made and it shall be demonstrated, where chances occur for companies and how they can be used.

The theoretical framework of this thesis is shaped by systems theory, its complementary approaches and the prescriptive and descriptive decision theory. By their perspectives, it is enabled to have a unified approach of the subject matter of the research as well as a fundamental structure for the understanding of the matter: companies, the complexity they face and the strategic choices they make to achieve their goals.

On the base of qualitative research an empirical result is raised, about the suitability of a risk management to also manage chances. Based on the theoretical framework and the current state of research, an alternative model for the identification, assessment and management of chances is being developed, which serves as a comparison tool for the established risk management process. Subsequently, the further procedure is escorted by a preliminary hypothesis, which is used to clarify the effectiveness of the alternative model. The concepts considered central in the hypothesis are operationalized and thus a guideline for qualitative interviews is developed. In the context of this thesis a total of five experts, who are characterized by special expertise, are interviewed with the help of this methodical tool. Subsequently, a qualitative content analysis is carried out in order to compress the central and most substantial statements.

The results showcase, that integrating chance management into an established risk management system is being considered practicable by the experts. However, besides this result, the wealth of design approaches presented by the experts suggests that the tasks and activities of a chance management system cannot be entirely accomplished by the methods of risk management. This is justified particularly regarding to the outcome of the expert opinion, which can be referred to as holistic or intuitive chance management approach.