Bibliographic Metadata

Title
Reihengeschäfte mit Schwerpunkt umsatzsteuerliche Verfügungsmacht
Additional Titles
Chain transactions focusing on the power of disposition
AuthorKrasser, Marie-Luise
Thesis advisorSchellmann, Gottfried ; Christian, Dieter
Published2017
Descriptionviii, 112 Blatt
Institutional NoteWien, FH Campus Wien, Masterarb., 2017
Annotation
vorgelegt von: Marie-Luise Krasser
Abweichender Titel laut Übersetzung der Verfasserin/des Verfassers
Date of SubmissionSeptember 2017
LanguageGerman
Document typeMaster Thesis
Keywords (DE)Reihengeschäft / Verschaffung der Verfügungsmacht / Verfügungsbefähigung / Verfügungsberechtigung / Eigentumsübergang / Doppelerwerb / Vertrauensschutz
Keywords (EN)chain transaction / transfer of the power of disposition / empowerment to dispose / right to dispose / transfer of property / acquisition under the fallback arrangements / protection of trust
Keywords (GND)Reihengeschäft / Eigentumsübertragung
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Abstract (German)

Diese Masterarbeit beschäftigt sich mit der umsatzsteuerlichen Behandlung von Reihengeschäften unter besonderer Berücksichtigung der umsatzsteuerlichen Verfügungsmacht. In dieser Arbeit werden die Konzepte der Verfügungsmacht und des zivilrechtlichen Eigentumsüberganges für Österreich und das Vereinigte Königreich dargestellt. Während das österreichische Umsatzsteuerrecht die Verfügungsmacht als eigenständigen, vom Zivilrecht losgelösten Begriff definiert, knüpft das britische Umsatzsteuerrecht an den zivilrechtlichen Eigentumsübergang an. Dies zeigt sich insbesondere anhand der gesetzlichen Definition der Lieferung: Das österreichische UStG definiert mit dem Begriff „Verschaffung der Verfügungsmacht“ die „Übertragung der Befähigung, im eigenen Namen über einen Gegenstand zu verfügen“. Der britische VAT Act hingegen bestimmt, dass die Übertragung des Eigentums (transfer of the whole property in goods) zu einer umsatzsteuerlichen Lieferung führt. Auch schon die unionsrechtliche Grundlage definiert in Art 14 Abs 1 MwStSyst-RL die Lieferung je nach Sprachfassung unterschiedlich: Die deutsche Fassung spricht von der „Übertragung der Befähigung, wie ein Eigentümer über einen körperlichen Gegenstand zu verfügen“, wohingegen die englische Fassung von der „Übertragung des Rechts, wie ein Eigentümer über einen körperlichen Gegenstand zu verfügen“ (transfer of the right to dispose of tangible property as owner) spricht.

Dies hat auch Auswirkungen auf die Behandlung von Reihengeschäften: Wie aus der EuGH-Rechtsprechung hervorgeht, kann die (innergemeinschaftliche) Warenbewegung nur einer der Lieferungen zugeordnet werden. Der EuGH hat jedoch noch nicht abschließend geklärt anhand welcher Kriterien die Zuordnung erfolgen soll. Jedenfalls soll die Zuordnung unter Berücksichtigung aller besonderen Umstände des Einzelfalls erfolgen. Die österreichische Finanzverwaltung berücksichtigt bei der Zuordnung der Warenbewegung lediglich die Transportveranlassung und ist in ihrer Beurteilung daher sehr starr. Die britische Finanzverwaltung kann den Unternehmern bei der Zuordnung der Warenbewegung mehr Flexibilität einräumen, da das britische Umsatzsteuerrecht anders als das österreichische UStG nicht nach der Verschaffung der Verfügungsmacht suchen muss. Nach britischem Zivilrecht wird nämlich das Eigentum mit Vertragsabschluss übertragen. Folglich liegt mit Abschluss des Kaufvertrags auch eine Lieferung im umsatzsteuerlichen Sinne vor. Die Unternehmer können durch ihre Handlungen selbst bestimmen, welcher Lieferung die Warenbewegung zuzuordnen ist.

Im Nachhinein kann sich herausstellen, dass ein Reihengeschäft von den Beteiligten falsch beurteilt wurde. In Fällen solcher missglückter Reihengeschäfte vertritt die österreichische Finanzverwaltung eine äußert strenge Ansicht und lässt eine nachträglich Sanierung nur in Ausnahmefällen zu. Es stellt sich daher die Frage, ob ein Vertrauensschutz für betroffene Unternehmer besteht. Ebendiese Frage ist ua derzeit beim EuGH in einem Vorabentscheidungsersuchen anhängig.

Abstract (English)

This master thesis deals with the VAT treatment of chain transactions with special regards to the power of disposition (“Verfügungsmacht”). In this thesis the concepts of power of disposition as defined by VAT law and of the transfer of property as defined by civil law are presented for both, Austria and the United Kingdom. While Austrian VAT law defines the power of disposition as an autonomous term independent from civil law, UK VAT law connects its definition for the term “supply of goods” to the transfer of property. That is especially indicated by the legal definition of “supply of goods”: Austrian VAT law defines the term “transfer of the power of disposition” (“Verschaffung der Verfügungsmacht”) as the “transfer of the empowerment to dispose of tangible property like an owner”. UK VAT law, however, determines that the “transfer of the whole property in goods” is a “supply of goods” for VAT purposes. Even the VAT Directive defines in Art 14 para 1 VAT Directive the term “supply of goods” differently depending on the language version: The German version refers to the “transfer of the empowerment to dispose of tangible property as owner” (“Übertragung der Befähigung, wie ein Eigentümer über einen körperlichen Gegenstand zu verfügen”) as “supply of goods”, whereas the English version defines “supply of goods” as the “transfer of the right to dispose of tangible property as owner”.

That has effects on the VAT treatment of chain transactions: According to the case law of the ECJ regarding chain transactions, the (intra-EC) movement of goods can only be allocated to one of the supplies of goods. The ECJ, however, has not conclusively clarified yet which criteria the allocation shall be based on. The ECJ decided that the allocation shall be conducted in consideration of all the particular circumstances of a given case. The Austrian tax authority considers merely which party of the chain was responsible for the transportation in order to allocate the (intra-EC) movement of goods to a specific supply of goods. By only focusing on transportation the Austrian tax authority is quite inflexible in its evaluation of chain transactions. The HMRC can grant taxable persons more flexibility for the allocation of the (intra-EC) movement of goods due to the fact that UK VAT law unlike Austrian VAT law does not have to search for the “transfer of the power of disposition”. According to UK civil law, property in the goods passes to the buyer when the contract is made. Thus, there is a supply of goods when the contract of sale is made. The parties to the chain transaction can indicate through their actions the supply of goods to which the (intra-EC) movement of goods shall be allocated to.

Afterwards the evaluation of the chain transaction made by the parties involved may turn out to be incorrect. In cases of such failed chain transactions the Austrian tax authority holds an extremely rigid opinion and approves of a later correction only in exceptional circumstances. Therefore the question arises, whether the party concerned may benefit from a protection of trust. This question among others is currently pending for a preliminary ruling with the ECJ.

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