Bibliographic Metadata

Title
Hintergründe und Motivation für einen Ausstieg aus der aktiven Arbeit als PhysiotherapeutIn in der Bundesrepublik Deutschland - Eine qualitative Datenerhebung / Vorgelegt von: Karina Grever
Additional Titles
Reasons and motivations for an early exit from physiotherapy practice in Germany - A qualitative exploration
ParticipantsGrever, Karina
Thesis advisorKulnik, Stefan Tino ; Stelzhammer, Christine
Published2018
Descriptionix, 92 Blatt ; 12 cm
Institutional NoteWien, FH Campus Wien, Masterarb., 2018
Date of SubmissionApril 2018
LanguageGerman
Document typeMaster Thesis
Keywords (DE)Physiotherapie / Berufsausbildung / Fachkraftmangel / Fachkräftemangel / Fluktuation / Berufswechsel / Gesundheitsfachberufe / Professionalisierung / Gesundheitssystem Bundesrepublik Deutschland / Qualitative Datenerhebung / Qualitative Interviews
Keywords (EN)physiotherapy / physiotherapy education / skills shortage / skills employees lack / fluctuation / occupational change / health professional occupations / professionalisation / healthcare system Germany / qualitative data collection / qualitative interviews
Keywords (GND)Physikalische Therapie / Beruf
URNurn:nbn:at:at-fhcw:1-2437 Persistent Identifier (URN)
Restriction-Information
 The work is publicly available
Files
Hintergründe und Motivation für einen Ausstieg aus der aktiven Arbeit als PhysiotherapeutIn in der Bundesrepublik Deutschland - Eine qualitative Datenerhebung [5.5 mb]
Links
Reference
Classification
Abstract (German)

Ziel

Die vorliegende Studie zielte darauf ab den drohenden Fachkräftemangel von PhysiotherapeutInnen in der Bundesrepublik Deutschland zu ergründen. Im Rahmen des Forschungsprozesses sollten Ursachen, Beweggründe und andere beeinflussende Faktoren erforscht werden, die die PhysiotherapeutInnen aus der BRD dazu bewegten den Beruf zu wechseln oder ins Ausland zu abzuwandern. Gleichzeitig sollten Sichtweisen und Stellungnahmen von ExpertInnen in Bezug auf den Mangel von PhysiotherapeutInnen ermittelt werden, um die Problematik umfangreicher darstellen zu können.

Hintergrund

Seit ca. zehn Jahren sind die Arbeitslosenzahlen von PhysiotherapeutInnen in der BRD rückläufig. Gleichzeitig ergaben Analysen, dass die Anzahl der PhysiotherapieschülerInnen deutlich gesunken ist. Die Fachkräfteengpassanalyse, die jährlich zweimal durch die Bundesagentur für Arbeit durchgeführt wird, ergab sowohl im Dezember 2016 als auch im Dezember 2017 Kennzeichen für einen Mangel an Fachkräften im Beruf der PhysiotherapeutIn. Im Vergleich der beiden Jahre zueinander wurde ein Engpass in vier weiteren, zuvor nicht betroffenen, Bundesländern erkennbar. Die Arbeitslosen-Stellen-Relation zeigte bei der letzten Analyse im Dezember 2017 ein Verhältnis von 33:100 und die Arbeitslosenquote für PhysiotherapeutInnen betrug laut Bundesagentur für Arbeit 0.9%. Diese und weitere Faktoren, wie der demographische Wandel, lassen als äußere Faktoren eine Prognose für einen zunehmenden Engpass zu.

Methode

Für den Forschungsprozess wurde eine qualitative Datenerhebung in Form von Einzelinterviews geführt. Als TeilnehmerInnen wurden hierfür PhysiotherapeutInnen gesucht, die ihre Berufsausbildung in Deutschland absolviert haben. Ein weiteres Einschlusskriterium war der Ausstieg aus der aktiven Tätigkeit in der BRD in Form von Berufswechsel oder Emigration ins Ausland. Als Ausschlusskriterien galten eine offizielle Berufsunfähigkeit für den Beruf der PhysiotherapeutIn aus gesundheitlichen Gründen, sowie eine langjährige Untätigkeit von 15 Jahren. Für die Interviews konnten elf ProfessionistInnen rekrutiert werden. Davon sind sieben ProfessionistInnen in ein europäisches Ausland emigriert und hier als PhysiotherapeutIn tätig. Die restlichen vier ProfessionistInnen wechselten innerhalb der BRD ihren Beruf.

Darüber hinaus wurden drei ExpertInneninterviews mit StellvertreterInnen der drei größten deutschen Physiotherapieverbände geführt.

Vor der Interviewdurchführung wurden alle StudienteilnehmerInnen über die Studie aufgeklärt und eine Einverständniserklärung zur Nutzung der Daten eingeholt. Anschließend wurden die Interviews transkribiert und die Daten der TeilnehmerInnen pseudonymisiert. Anhand einer „Framework Analysis“ wurde eine inhaltliche Datenanalyse der Interviews durchgeführt, sodass die genannten Faktoren, Beweggründe und Ursachen der ProfessionistInnen, sowie die Sichtweisen der ExpertInnen erhoben und dargestellt werden konnten.

Ergebnisse

Die ProfessionistInnen nannten viele unterschiedliche Faktoren, die zu einer mehrschichtigen Unzufriedenheit und somit zum Ausstieg aus der aktiven physiotherapeutischen Tätigkeit in der BRD. Darunter fallen Faktoren wie eine geringe Vergütung nach meist teurer Berufsausbildung, sowie erschwerende Rahmenbedingungen, bspw. durch Vorgaben des Gesundheitssystems oder der zuweisenden ÄrztInnen. Viele der ProfessionistInnen nannten die kurzen Behandlungszeiten als einen der größten negativ beeinflussenden Faktoren. Gleichzeitig spielte die Belastung in Form von körperlichen, kognitiven und vor allem sozial-emphatischen Ansprüchen eine große Rolle. Außerdem erklärten viele ProfessionistInnen eine gerine Wertschätzung von Seiten der Ärzteschaft und Gesellschaft, sowie die fehlende Eigenverantwortung der PatientInnen für ihre Gesundheit, als demotivierende Faktoren für die physiotherapeutische Tätigkeit in Deutschland.

Gleichzeitig nannten ExpertInnen ebenfalls Faktoren, wie die geringe Vergütung, und die im Gesundheitssystem aufzuarbeitenden Differenzen für den Berufsstand, als attraktivitätsmindernd. Zu den Differenzen gehören die aktuellen Entwicklungen im Rahmen der Professionalisierung und Akademisierung, sowie der Forderung nach mehr Handlungsautonomie für PhysiotherapeutInnen.

Schlussfolgerung

Die Ergebnisse dieser Studie stellen durch die Aussagen der ProfessionistInnen und ExpertInnen vielfältigen Gründe für den drohenden Fachkräftemangel dar. Viele der negativ beeinflussenden Faktoren sorgten für eine große Unzufriedenheit der PhysiotherapeutInnen mit ihrem Beruf, sodass diese sich für den Ausstieg aus der aktiven physiotherapeutischen Tätigkeit entschlossen haben.

Aufgrund des zunehmenden Mangels an Fachkräften und den nun folgenden umfangreichen Entwicklungen im deutschen Gesundheitssystem, bleibt abzuwarten, inwiefern sich der Berufsstand der PhysiotherapeutInnen entwickelt. Hierfür würde eine zukünftige Studie in Bezug auf die Zufriedenheit von PhysiotherapeutInnen mit den Entwicklungen ih

Abstract (English)

Objective

The present study aimed to fathom the impending lack of skilled physicians in the Federal Republic of Germany. As part of the research process, causes, motivations and other influencing factors were to be explored, which induced the physiotherapists from Germany to change jobs or move abroad. At the same time, perspectives and statements from experts regarding the lack of physiotherapists should be identified in order to present the problem more comprehensively.

Background

For about ten years, the unemployment figures of physiotherapists in the FRG have been declining. At the same time, analyses showed that the number of physiotherapy students has dropped significantly. The skilled-labour shortage analysis, which is carried out twice a year by the Federal Employment Agency, revealed in both December 2016 and December 2017 signs of a shortage of skilled workers in the profession of physiotherapist. Comparing the two years to each other, a bottleneck situation in four other federal states, although not previously affected, was recognised. The ratio of unemployment to jobs in the last analysis published in December 2017 was 33 to 100 and the unemployment rate for physiotherapists was 0.9%, according to the Federal Employment Agency. These and other factors, such as demographic change, allow as external factors a forecast for an increasing bottleneck.

Method

For the research process, a qualitative data collection was conducted in the form of individual interviews. Physiotherapists who had completed their vocational training in Germany were selected as interview participants. Another inclusion criterion was the withdrawal from active work in Germany in the form of a career change or emigration abroad. An occupational disability for the profession of physiotherapist due health reasons as well as a long-term inactivity of minimum 15 years were classified as exclusion criteria. For the interviews eleven professionals could be recruited. Seven of these professionals have emigrated to a European country and work here as a physiotherapist. The remaining four professionals changed their profession within the FRG.

In addition, three expert interviews were conducted with representatives of the three largest German physiotherapy associations.

Before the interview, all participants were informed about the study and a declaration of consent to the use of the data was obtained. Subsequently, the interviews were transcribed and the data of the participants pseudonymized. A content analysis of the interviews was carried out on the basis of a "framework analysis" so that the mentioned factors, motivations and causes of the professionals as well as the views of the experts could be collected and presented.

Results

The professionals called many different factors that lead to a multilayered dissatisfaction and thus to the exit from the active physiotherapeutic work in the FRG. These include factors such as a low salary following mostly an expensive education as well as aggravating conditions, for example due to requirements of the health care system or referring physicians. Many of the professionals named the short treatment times as one of the biggest negative influencing factors. At the same time, physical, cognitive and, above all, social-emphatic demands played a major role. In addition, many professionals declared a low esteem on the part of the medical profession and society as well as the lack of personal responsibility of the patients for their health as demotivating factors for the physiotherapeutic work in Germany.

At the same time, experts also mentioned factors such as low compensation and the differences in the health care system as less attractive to the profession. Among the differences are the current developments within the professionalization and academization, as well as the demand for more autonomy of action for physiotherapists.

Conclusion

The results of this study represent various reasons for the impending skills shortage based on statements of the professionals and experts.

Many of the negatively influencing factors caused a great dissatisfaction of the physiotherapists with their profession, so that they decided to quit the active physiotherapeutic work.

Due to the increasing skills shortage and the following extensive developments in the German health care system, it remains to be seen to what extent the profession of physiotherapists develops. For this, a future study regarding the satisfaction of physiotherapists with the developments of their profession related to their physiotherapeutic work would be considered appropriate. This could be used to research tendencies towards further professional graduates from German physiotherapy.

Stats
The PDF-Document has been downloaded 15 times.